Pop Tipps

Amerikas größter Popstar, den kaum jemand kennt

GS | Lexikon | aus FALTER 24/17 vom 14.06.2017

Warum Ian Svenonius nie zum Popstar wurde, wenigstens in der Größenordnung eines Jon Spencer? Vielleicht, weil der auch als Buchautor und Filmemacher auffällig gewordene Mann aus Washington, D.C. dafür immer zu viel Punk war? Weil er zu unberechenbar ist, scheinbar zu wirrköpfig auch? Aber, hey, der Typ ist sexy, stilbewusst und rebellisch, er hat die Musikgeschichte inhaliert (zumindest jene vor Hip-Hop und Techno) und er hat vermutlich mehr Hits veröffentlicht, die außerhalb subkultureller Kreise kaum wer gehört hat, als jeder andere US-Untergrundmusikant der vergangenen 30 Jahre.

Geprägt von der politischen Punkszene seiner Heimatstadt, sang Svenonius Anfang der 1990er bei der Band The Nation Of Ulysses, die nichts hielt von konventionellem Hardcorepunk und lieber mit Noise und Rabiatjazz flirtete. Daraus gingen The Make-Up hervor, mit denen der an guten Abenden James Brown und Iggy Pop in Personalunion verkörpernde Sänger Punk und Gospel verband. Bei einem denkwürdigen Auftritt im Flex schwebte Svenonius damals über die Köpfe des Publikums -artistisch von Schulter zu Schulter balancierend. Es folgten Bands wie Weird War oder Chain And The Gang, die zuverlässig tolle Musik machten, aber stets auf die kleinen Bühnen abonniert blieben. Nun stellt Svenonius im Rhiz sein Soloprojekt Escape-Ism vor: hitzig, beseelt, mit Stimme, Gitarre und Groovebox - und schon wieder sehr lässig.

Letzteres gilt auch für das Sixties-Girlgroup-Pop und stoischen Rumpelpunk einende Wiener Duo Kristy And The Kraks, das demnächst eine kleine Osteuropatournee mit Svenonius spielt. Nur in Wien ist sich kein gemeinsamer Termin ausgegangen, da präsentieren KATK ihre neue Vinylsingle "Snakes On The Phone" im Fluc schon einen Tag vor dem Konzert von Escape-Ism.

Fluc, Sa 20.00 (Kristy And The Kraks)

Rhiz, So 21.30 (Escape-Ism)

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FALTER 03/19

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