Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Most-Cuvée aus dem Mühlviertel

Ein Most, in dem sich Äpfel mit Birnen vermählen

Juliane Fischer | Stadtleben | aus FALTER 24/17 vom 14.06.2017

Wir sind die Hauptstadt, ihr Bauern", hätten die Rapidler in Linz gerufen. "Und wir sind die Bauern, du Hauptstadt", meinte Klaus Bauernfeind dann in der Laudongasse im achten Wiener Gemeindebezirk. Dort hat die Gesellschaft für Streuobstkulturen und Supplementäres (GeSOKS) ganzjährig ihre Mostothek. Im Sommer verlagert sie das Verkosten dienstags von 17 bis 21 Uhr in den Hof.

Als Leuchtturmprodukt für die Zusammenarbeit zwischen ein paar Biobauern steht der Most der Marke "Selektion Mühlviertel". 2016 ist schon der dritte Jahrgang für Klaus Bauernfeind vom Köglerhof, Norbert Eder/Pankrazhofer und Stefan Peterseil. Jeder gärt für sich und bringt verschiedene Varianten mit eigener Keller- und Sortentypizität. Dann wird gemeinsam cuvetiert und geschliffen. Dabei verhält sich Birne zu Apfel genau fifty-fifty. Peterseil bringt aus der Intensivkultur die Edelapfelsorten: Braeburn oder Topaz sorgen für den frischen, apfeligen Duft. Länge und Säure gibt das Streuobst.

Das frostbedingt schwierige Jahr machte die Mühlviertler erfinderisch. Im Nordwesten blühen die Apfelund Birnbäume später. Denen konnte der Frost Ende April nichts anhaben. So kauften sie von den Biostreuobstbauern dort zu. Durch die kargen Granitböden entsteht hier ein mineralischer, schlanker, kühlender Most, animierend und süffig: perfekt für einen heißen Sommertag, zum Beispiel zu gegrilltem Fisch auf Bruschetta .Die Selektion tanzt mit 6,8 Volumsprozent leichtfüßig und knochentrocken daher. "Die Süße vom Most entdeckt man eher erst beim dritten, vierten Schluck", meint Bauernfeind. "Wenn die Apfelsäure nicht mehr so im Vordergrund ist und der Gaumen sich gewöhnt." Und das geht eigentlich recht flott.

Rezensierte Getränke wurden der Redaktion fallweise umsonst zur Verfügung gestellt


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