Stadtrand Urbanismus

Von Künstlern und Kasperln

Birgit Wittstock über das Freiluftkabarett auf der Mahü

aus FALTER 24/17 vom 14.06.2017

Straßenkunst ist toll. An und für sich. Sie ist niederschwellig, kreativ und ermöglicht dem Künstler unmittelbaren Kontakt zu seinem Publikum. Natürlich kann man sich fragen, ob es nun tatsächlich Kunst ist, große Seifenblasen zu machen oder in einem roten Umhang zu 90er-Jahre-Hitparadenmusik zu tanzen, die aus einem alten Ghettoblaster dröhnt. Entertainment trifft es vielleicht eher. Oder Skurrilitätenschau.

Die bieten sich einem derzeit, wenn man spätnachmittags die Mahü entlangschlendert: auf den 1,8 Kilometern zwischen Europaund Museumsplatz stehen alle paar Meter Menschen, die um die Münzen der Flaneure konkurrieren. Es übertönen sich die bewährten Klassiker - Gitarre und Coverversionen alter Hadern - und echte Könner - Konservatoriumsstudenten mit Geige. Immer größer wird die Gruppe der tollkühnen Eigentlich-nichts-Könner - etwa tanzen zu rumänischer Schlagermusik.

Sollte es also ein staatlich geprüftes Mindesttalent für Straßenauftritte geben? Sollte man solche Kunstkasperln des öffentlichen Raums verweisen? Keinesfalls. Die Straße ist das härteste Assessmentcenter. Und: Lachen hilft.


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