Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die beste Bibliothekarin der Welt der Woche

Kirstin Breitenfellner | Feuilleton | aus FALTER 24/17 vom 14.06.2017

Nach einer Kinderbuch-Lesereise durch acht Bundesländer und zwei Dutzend Bibliotheken fällt die Auswahl schwer. Aber sagen wir, sie lebt in Zams, die beste Bibliothekarin des Landes.

Sie liest die Bücher, die sie empfiehlt, vorher selbst. Sie trägt sie den Kindern in der Kinderecke der Bücherei selbst vor. Sie organisiert Lesungen mit Mehrwert, zum Beispiel einer anschließenden Stallbesichtigung, wenn es sich um ein Buch handelt, das auf einem Bauernhof spielt. Sie kämpft für den Erhalt der öffentlichen Bibliothek, die vor ein paar Jahren Konkurrenz von den Schulbibliotheken bekommen hat - eine schwierige Situation in kleineren Orten, wo der Wert von Kooperationen nicht immer leicht zu erkennen zu sein scheint.

O Österreich, deine Bibliothekarinnen, möchte man ausrufen, denn die Bibliotheken in kleineren Orten sind in weiblicher Hand. In Hermagor und Wolfsberg, in Groß St. Florian und Mürzzuschlag, in Katzelsdorf und Weitersfeld, in Michaelnbach und Seekirchen am Wallersee, in Oberperfuss, Hohenems und Raggal. Viele Bibliothekarinnen arbeiten ehrenamtlich, aber alle mit Enthusiasmus. Sie holen einen vom Bahnhof ab. Sie kaufen Blumen und Rosinenschnecken. Sie schreiben danach einen Bericht für die örtliche Presse. Sie glühen für das Buch und bilden so den Nährboden für die zarte Pflanze Leselust, die zumindest im Volksschulalter einen so robusten Wuchs zeigt, dass man vermeint, sich um die Zukunft keine Sorgen machen zu müssen.

Erst später wird die Ablenkung durch die neuen Medien, die Verlockung der Recherche im World Wide Web statt in der öffentlichen Bücherei zu stark. Aber sie kommen wieder, versichert die beste Bibliothekarin des Landes, spätestens, wenn sie eigene Kinder haben.


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