"Sie nennen uns die Opferschule"

Hier setzt kein Bürgerkind den Fuß in die Tür. Hier sitzen zu 100 Prozent Migrantenkinder, und viele verstehen kein Wort Deutsch. Die Neue Mittelschule Schopenhauerstraße ist eine Parallelgesellschaft und leidet unter der gescheiterten Integrationspolitik. Was bedeutet das für die Kinder? Wir haben uns ins Lehrerzimmer gesetzt, das Mikrofon eingeschaltet und zwei Stunden genau zugehört. Ein Frontbericht


PROTOKOLL: FLORIAN KLENK

Politik, FALTER 26/17 vom 28.06.2017

Wo die Wiener Vorstadt ins Hernalser Cottage übergeht, stehen dicht an dicht zwei Schulen. Das Gymnasium Klostergasse und die Hauptschule Schopenhauerstraße 79, heute "Neue Mittelschule" genannt, eine "Restschule" für all jene Kinder, die das Gymnasium nicht will.

Die zwei Schulen sind nur einen Steinwurf voneinander entfernt -und doch trennen sie Welten. Denn im Gymnasium sitzen zumeist die Kinder des Bürgertums, der Anwälte, Ärzte und Lehrer. Und in der Schopenhauerstraße landen die Kinder der Putzfrauen und Arbeitslosen.

Die Kinder des Gymnasiums nennen die Hauptschule despektierlich "Opferschule". Und die Schüler der Restschule wundern sich, dass drüben so viele Blonde sind. Noch nie haben die Schulen gemeinsam ein Projekt gewagt, an eine Gesamtschule, also eine Verschmelzung der Schulen, ist nicht zu denken.

Die zwei Schulen sind Sinnbild für eine Schulpolitik, die die Armen von den Reichen separiert und die Schwachen von den Starken. Das hat Auswirkungen: Die Schwachen und

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