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Neues von Wanda

Feuilleton | aus FALTER 30/17 vom 26.07.2017

"Das dritte Album wird auf keinen Fall so ein Spaßpunk wie 'Amore', und ein Lied wie 'Bussi Baby' wird es auch nie wieder geben", erklärte Marco Wanda im Oktober letzten Jahres. Der Mitschnitt des ausverkauften Konzerts seiner Band in der Wiener Stadthalle war da gerade erschienen. Die Linernotes stellten für 2017 neues Material der auch in Deutschland gefeierten Amore-Rocker in Aussicht und deuteten einen Stilwechsel an. Inzwischen ist bekannt: Das dritte Wanda-Album wird "Niente" heißen und am 6. Oktober erscheinen. Das Cover zeigt das Quintett vor der Müllverbrennungsanlage Spittelau.

Der erste Singlevorbote "0043" schlägt nun tatsächlich neue Töne an: Statt Hedonismus und Ohrwurmrock setzt es leise Orgeltöne, gezupfte Akustikgitarren, Klavierklänge und eine Überdosis Melancholie; Marco Wandas markanter Testosteronschleudergesang weicht einem fast körperlosen Schweben. Der Kontrast zu "Bussi Baby", der geradezu schmerzhaft eingängigen und trotz seiner unverhohlenen Drogenanspielungen familienfreundlich-schunkeligen ersten Single des Nummer-eins-Albums "Bussi" von 2015, könnte kaum größer sein. "Vergrault Wanda mit neuer Single '0043' seine Fans?", fragte Heute da umgehend. Tatsächlich ist "0043" der bislang ungewöhnlichste Song der Band, die 2014 mit dem Debüt "Amore" einen kometenhaften Aufstieg erlebte. Es bleibt spannend: Werden Wanda vielschichtiger? Geben sie sich dem Selbstmitleid hin? Haben die Hymnen ausgedient? Oder legt "0043" einfach nur eine falsche Fährte und will bewusst irritieren - wie Bilderbuch, die andere große Wiener Erfolgsband, das vor einem Jahr mit ihrer minimalistischen Comebacksingle "Sweetlove" gemacht hat?


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