Ohren auf Ösi-Hip-Hop

Hast du das auf der Liste? Honda Civic, coole Kiste!

GERHARD STÖGER | Feuilleton | aus FALTER 30/17 vom 26.07.2017

DBH, Chrisfader und Testa sind alte Hasen der österreichischen Hip-Hop-Szene. Als Restless Leg Syndrome bilden die drei Wiener DJs mit Tiroler Wurzeln ein Produzententeam, das bei jeder Veröffentlichung einem bestimmten Thema folgt. Nach Swing und arabischer Musik setzt nun "Rooted" (Duzz Down San) auf das Tirolerische. Als Klang-und Samplequellen finden etwa Zither, Teufelsgeige und Schuhplattler Verwendung, dazu kommen geschickt gesetzte Vokalschnipsel. Volks-Rap-Alarm also? Mitnichten. Die acht Stücke liefern klassischen Kopfnickerstoff, allerdings mit ungewöhnlicher Klangfarbe und viel Liebe zum Detail.

In seiner kunstvollen Weggetretenheit ganz anders gestimmt, aber nicht minder lässig ist "Civic"(Hector Macello), die Kooperation des Produzenten Fid Mella mit dem Rapper Jamin. Scheinbar beiläufig hingeworfen und doch stets am Punkt, hört man hier zärtlichen Gangster-Rap -"I bin da netteste Räuber in Wien, weascht du von mir ausgraubt, bist du glei verliebt" -, Ausflüge in Richtung Psychedelik, Jazz und Zeitlupenfunk, Oden an die rauchbare Mary und den fahrbaren Untersatz, einen Honda Civic, und Gäste wie die sanftmütig Klartext redende junge Rapperin Hunney Pimp. Digital ist das Album bereits erhältlich, Vinyl folgt im Herbst.

Der für Klischeefreiheit, Emotionalität und Geschichtenerzählertum bekannte Gerard hat ein eigenes Label gegründet, Futuresfuture. "Maske übern Kopf und dann schmeiße ich Molotow-Cocktails mit Blumen wie in diesem Banksy-Bild, denn was tun, wenn nicht einmal mehr das Wegsehen hilft", sprechsingt der auch in Deutschland nicht ganz unerfolgreiche Rapper auf seinem neuen Album "AAA". Er zitiert Rio Reiser und reflektiert zu abwechslungsreicher elektronischer Musik die Liebe, das Leben und den Alltag. Gerard macht also einmal mehr viel richtig, bleibt aber wie gehabt den entscheidenden Tick zu brav und fad.

Das Trio Restless Leg Syndrome lässt Hip-Hop-Beats auf alpine Klänge treffen


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige