Gegen die Ungeheuer der Zeitgeschichte

Marcel Ophüls ist der bedeutendste lebende Dokumentarfilmer der Welt. Nun feiert er seinen 90. Geburtstag


Hommage: Michael Omasta

Feuilleton, FALTER 43/17 vom 25.10.2017

Es gibt diese ziemlich komische Szene in "Der Stadtneurotiker", in der Woody Allen vorschlägt, ins Kino zu gehen, und Diane Keaton dankend ablehnt: "Ich bin jetzt nicht dazu aufgelegt, mir einen vierstündigen Dokumentarfilm über die Nazis anzuschauen."

Bei der überlangen Doku, von der hier die Rede ist, dachte Allen an die Filme von Marcel Ophüls, der sich als Regisseur überlanger Dokus über die Schrecken des 20. Jahrhunderts einen Namen gemacht hat. Damals, 1977, lief aktuell gerade "The Memory of Justice" in den US-Kinos, Ophüls' groß angelegte Studie über die Nürnberger Prozesse und ihre Lehren in Anbetracht der unzähligen seither begangenen Kriegsverbrechen in aller Welt, nicht zuletzt in Algerien und in Vietnam.

Ophüls' panoramatisches Geschichtsverständnis stieß seit jeher auf erbitterten Widerstand. Bei jedem Film lieferte er sich hunderte Scharmützel mit Fernsehbürokraten und Politbonzen, um sein Werk tatsächlich durchzusetzen. "Memory of Justice" beispielsweise

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