Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste Dialektpop der Welt der Woche

Gerhard Stöger | Feuilleton | aus FALTER 48/17 vom 29.11.2017

Manchmal genügen die ersten Sekunden, um sich in das Album einer Band zu verlieben, von der man nie zuvor einen Ton gehört hat. Die Debüt-CD des österreichischen Duos Hirsch Fisch ist so ein Fall. Sie heißt so seltsam wie die Band selbst, das Cover würde in seiner Unscheinbarkeit kaum jemandem auffallen.

Aber dann hebt diese lebenserfahrene Stimme zu reduzierter akustischer Begleitung an: "I geh obi an die Donau, bind ma an Stan umman Hols." Drei Minuten später ist der suizidale Protagonist tot, doch selten zuvor wurde im heimischen Pop so leicht und zart von den letzten Dingen gesungen wie hier in "Des eiskoite Wossa". Wobei: "Pop", das stimmt so nicht. Hirsch Fisch deuten US-amerikanische Hinterwäldlermusik schnitzelländisch und zwinkern zwischendurch kurz dem deutschen Schlager zu. Ob existenzialistische Oden oder kindliche Blödelei: Norbert Trummer und Klaus Tschabitzer legen stets dieselbe Ernsthaftigkeit an den Tag.

Vor rund 20 Jahren haben die zwei kunstsinnigen Steirer bereits eine so sonderbare wie hörenswerte Band namens Scheffenbichler betrieben, die irgendwo zwischen Pop, Poesie und Dada-Folklore ihrer ganz eigenen Mission folgte und, unvergessen, unter anderem eine Hymne auf die Geisterscheiße im Programm hatte, "Staub". Seit kurzem machen die beiden als Hirsch Fisch wieder gemeinsame Sache, und wieder hat es diese verführerische Eigenwilligkeit.

Das stets für Prächtiges aus diversen österreichischen Popnischen gute Liebhaberlabel Early Morning Melody hat nun zwölf Lieder des Duos auf eine erste CD gepackt und damit ein etwas anderes Austro-Dialektpop-Album des Jahres veröffentlicht. Präsentiert wird "Hirsch Fisch" am 6. Dezember um 20 Uhr in der Arena Bar (5., Margaretenstraße 117).


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