Waschküche und Weihwasser

Der 100. Geburtstag von Heinrich Böll ist ein guter Anlass, auch die literarischen Leistungen eines heute Unterschätzten zu würdigen

Huldigung: Christoph Bartmannr
Feuilleton, FALTER 51/17 vom 20.12.2017

Beim Eintritt ins Böll-Universum begrüßt uns ein "Lauchgeruch, untermischt mit zwiebeliger Bitternis". Kurze Zeit darauf riecht es auch schon "nach kaltem Goulasch, nach Salat und künstlich gesüßtem Pudding". So zu finden in dem frühen Roman "Und sagte kein einziges Wort" von 1953, worin sich, aus bestimmten Gründen, Käte und ihr Mann Fred in einem Stundenhotel zum Liebesakt treffen müssen. Danach sie zu ihm: "Wir müssen zur Messe gehen oder warst du schon?"

Was könnte uns fremder geworden sein als der Waschküchen-und Weihwasserduft dieser frühen Jahre? Als 1957 Bölls "Irisches Tagebuch" erschien, heute als Band 1 von dtv in der 62. Auflage erhältlich, schrieb ein Kritiker begeistert, endlich habe Böll "seine Ressentiments" überwunden: "Es riecht nicht mehr nach Waschküche und billigem Tabak." Aber der Geruch sollte bleiben. Es riecht bei Böll nicht einfach nur, wie es halt riecht oder roch im Köln der Nachkriegszeit. Nicht zufällig ist die Zwiebel hier bitter oder

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