Neue Bücher Zwei Debüts, zweimal growing up in the USA

Feuilleton | aus FALTER 06/18 vom 07.02.2018

Es ist ein "Coming of Age"-Roman der härteren Sorte, den Daniel Magariel hier vorlegt. "One of the Boys", so der Titel des Originals, erzählt von dem grausam aus dem Ruder laufenden "male bonding". Gleich zu Beginn schwört der Vater seine beiden Söhne, mit denen er im Auto von Kansas Richtung New Mexico aufbricht, auf unverbrüchliche Loyalität ein - worauf sich der jüngere der beiden, der zwölf Jahre alte Ich-Erzähler, selbst abwatscht, um ein Polaroid seines verschwollenen Gesichts beim Jugendamt als belastenden Beweis gegen die Mutter vorlegen zu können.

Das bewahrt ihn freilich keineswegs vor Missbrauch durch den Vater, der immer wieder für Tage im eigenen Zimmer oder aus dem Haus verschwindet und die beiden Söhne sogar dazu benutzt, Geschäfte mit seinem Dealer abzuwickeln. Die brüderliche Solidarität wird nicht reichen, um den tristen Teufelskreis zu durchbrechen. Ein eindringliches Debüt.

KN

Im 1938 erschienenen Original lautet der Titel schlicht: "Young Man with a Horn". Für die deutsche Ausgabe ist er nun zu "Ich mag mich irren, aber ich finde dich fabelhaft""hochgejazzt" worden. Das ist zwar bizarr, aber auch stimmig, denn als Vorbild für Rick Martin, den Protagonisten des Debüts von Dorothy Baker (1907-1968), diente die Musik, nicht aber die Biografie des frühverstorbenen Jazzkornettisten Bix Beiderbecke. (In Michael Curtiz' Verfilmung von 1950 wurde Martin übrigens von Kirk Douglas dargestellt.)

Am überzeugendsten ist der stellenweise leider recht ungelenk übersetzte Roman gleich im ersten von insgesamt vier "Büchern", in dem er die "Coming of Age"- mit der "Making of a Genius"-Story engführt wird und auf sehr stimmige und berührende Weise zeigt, wie sich der junge, aus einfachen Verhältnissen stammende Rick als Weißer in der schwarzen Jazz-Community etabliert.

KN


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