TV-Kolumne

Zeit am Schirm


Matthias Dusini
Medien | aus FALTER 06/18 vom 07.02.2018

Das Serienfernsehen bringt neue Figurentypen hervor, etwa den Mann als Beiwagerl mächtiger Frauen. "The Crown" erzählt die Geschichte des englischen Königshauses im 20. Jahrhundert. Als Elisabeth II. den Thron bestieg, war ihr Mann Philip zum Nichtstun verdammt. Als "Prinzgemahl" beschränkten sich seine Aufgaben aufs Händeschütteln und das Zeugen eines Thronfolgers. Als Elisabeth einen Sohn zur Welt bringt, ist sein Job erledigt. Ein ähnliches Schicksal erleidet jener Redenschreiber, der in "House of Cards" zum Liebhaber der Präsidentin aufsteigt. Während Claire Underwood große Politik macht, hängt Autor Thomas Yates im Weißen Haus herum und wartet darauf, dass er der Chefin den verspannten Nacken massieren darf.

Das Publikum entwickelt kein Mitleid mit den Pantoffelhelden. Philip lässt im Buckingham Palace keine Gelegenheit aus, um seine Frau zu erniedrigen. Auch Thomas ist nicht imstande, mit seiner symbolischen Kastration umzugehen, und meutert. Die Geschichte des Patriarchats hat für Männer keine Opferrolle vorgesehen.


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