Am Apparat Telefonkolumne

Wie läuft das mit dem Grundeinkommen, Herr Honkanen?


Interview: Josef Redl
Politik | aus FALTER 10/18 vom 07.03.2018

Finnland wagt ein Experiment. Seit einem Jahr beziehen 2000 zufällig ausgewählte Menschen ein arbeitsloses Einkommen ohne jede Auflagen. Pertti Honkanen von der finnischen Sozialversicherung Kela begleitet den Versuch als Experte. Am kommenden Samstag spricht er am Symposion Dürnstein über die Versuchsanordnung und seine Erwartungen. Wir haben im Vorfeld nachgefragt.

Nach welchen Kriterien wurden die Teilnehmer ausgewählt?

Die Teilnehmer müssen zwischen 25 und 58 Jahre alt sein. Sie mussten Arbeitslosengeld-Mindestbezieher sein. Der Bezug liegt in Finnland bei rund 560 Euro. Sie erhalten jetzt ein bedingungsloses Grundeinkommen in derselben Höhe.

Was ist der Unterschied für die Bezieher?

Sie haben keinerlei Pflichten. Sie müssen sich nicht um Jobs bewerben, nicht an Trainings teilnehmen und verlieren ihre Ansprüche trotzdem nicht.

Können die Teilnehmer zusätzliche Ansprüche beziehen?

Ja. Zum Beispiel einen Wohnzuschuss, wenn das gesamte Haushaltseinkommen niedrig genug ist.

Was ist, wenn jemand einen Job findet?

Die Teilnehmer erhalten trotzdem steuerfrei die 560 Euro. Egal, ob es ein Teilzeit-oder ein Vollzeitjob ist.

Was wollen Sie im Rahmen dieses Experiments über die Menschen erfahren?

Wir wollen wissen, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen einen größeren Arbeitsanreiz schafft. Die Regierung will wissen: Suchen und finden Menschen mit einem bedingungslosen Grundeinkommen eher einen Job als im derzeitigen System?

Das Experiment läuft noch bis Jahresende. Können Sie zur Halbzeit schon ein Resümee ziehen?

Nein. Damit würden wir in das Experiment eingreifen. Wir sammeln derzeit nur Daten.


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