"Moralisieren ist nicht ihr Problem": Froschs "Murer" ist Politthriller und Zeitdokument

MO | Feuilleton | aus FALTER 10/18 vom 07.03.2018

Franz Murer, "der Schlächter von Wilna", kommt Anfang der 1960er in Graz vor Gericht. Rollen und Kostüme werden verteilt wie bei einer Theaterprobe. Der abgetragene Trachtenjanker kleidet den Angeklagten besser als sein neuer Anzug. Murers Familie, vor allem seine Kinder, müssen die Zuhörerbank drücken, das macht guten Eindruck bei den Geschworenen. Am Ende ist der ganze Prozess nicht mehr als eine böse Farce. Der NS-Verbrecher wird freigesprochen.

In seinem Film "Murer -Anatomie eines Prozesses" rollt Christian Frosch die Geschichte dieses Schandurteils auf. Als Grundlage für sein Drehbuch dienten die Protokolle der zehntägigen Hauptverhandlung. Dass diese nur stichwortartig geführt wurden, zudem auch weder Bild-noch Tonaufnahmen von dem Prozess existieren, verschaffte den Filmemachern gestalterischen Freiraum, aber verpflichtete sie auch zu höchster Skrupelhaftigkeit.

"Murer" druckst also nicht herum. Er nennt die Täter und ihre Helfershelfer beim Namen, auch die Opfer, was in

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