Ohren auf Markante Stimmen

Indiepop, mal schattenweltlich, mal quietschbunt


Gerhard Stöger

Feuilleton, FALTER 10/18 vom 07.03.2018

Um 1990 zählte Kim Deal zu den coolsten Figuren im Alternative Pop. Das 1961 geborene US-Provinzei spielte Bass bei den Pixies, einer der einflussreichsten Bands jener Zeit. Weil sie ständig mit dem diktatorischen Sänger stritt, gründete sie dazu noch ihre eigene, The Breeders. Nach dem Ende der Pixies wurde diese zur Hauptband und kurzfristig sehr erfolgreich, bevor sich alles in einem Nebel aus Alkohol und Drogen auflöste. An der großen Inkassotour der Pixies-Reunion nahm sie teil, doch die Geschichte wiederholte sich. Nun ist Kim Deal wieder einmal wieder da - mit den Breeders in der Erfolgsbesetzung von 1993, als alle Welt zum Lied "Cannonball" tanzte. Und siehe da: Waren die zwei Pixies-Comebackalben nur für Nostalgiker mit Gehörschaden genießbar, erstrahlt "All Nerve" (4AD), die erst fünfte Breeders-Platte überhaupt, beinahe in alter Pracht. Die Songs sind zwar nicht so unverschämt catchy wie einst; in Sachen zärtliches Grobianertum und achselzuckende Dramatik bleibt das Quartett aber eine Klasse für sich.

Wer es lieber leicht und bekömmlich hat, ist beim Londoner Hipster-Kollektiv Superorganism besser aufgehoben, dessen Debüt "Superorganism" (Domino) gepflegte Langeweile mit einer gewissen Lebenslust verbindet. Auf geschmackvolle Weise quietschbunt, bleibt letztlich zehn organischelektronische Popfreundlichkeiten lang alles austauschbar nett.

Sind Superorganism die musikalische Entsprechung zum perfekt inszenierten Instagram-"Schnappschuss", steht Anna von Hausswolff für ein grobkörniges Schwarzweißfoto, das seine Faszination und Strahlkraft nicht und nicht verliert. Auf ihrem fünften Album "Dead Magic" (City Slang) gibt sich die schwedische Todesmetal-in-Kirchenmusik-für-Waldgeister-Übersetzerin stellenweise so zärtlich und sphärisch wie kaum zuvor, an Dramatik herrscht gleichzeitig aber auch kein Mangel. Musik für alle, die sich trauen.

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FALTER 29/19
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