Meinesgleichen Der Untergriff zum Übergriff: Falter =Strache

Thurnher, FALTER 10/18 vom 07.03.2018

Die Ausstellung "Die Stadt ohne ", vom Filmarchiv Austria aus Anlass des wiederaufgefundenen, mit dem Roman Hugo Bettauers titelgleichen Stummfilms von 1924 veranstaltet, befasst sich mit Antisemitismus und Ausgrenzung. Auf einer Doppelseite des Katalogs findet sich rechts eine antisemitische Karikatur, die FPÖ-Chef Strache 2012 auf seiner Facebook-Seite gepostet hatte. Und links ein Falter-Cover. Begleittext dazu: "Nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht 2015/16 in Köln gestaltete Bianca Tschaikner ein Titelbild für die Wiener Stadtzeitung Falter, das polarisierte und auch den Presserat beschäftigte. Die stereotype und uniforme Darstellung der Täter wurde als Pauschalverdacht und Diskriminierung verurteilt. Sie trug dazu bei, dass alltäglicher Sexismus in Folge praktisch ausschließlich mit muslimischen Flüchtlingen verbunden wurde."

Dieser Text und die Aufnahme des Covers in Katalog und Ausstellung als einziges (!) bildliches Negativbeispiel einer Zeitung sind ein Skandal. Im Presserat gab es damals abweichende Ansichten. Von "muslimisch" war im Falter keine Rede. Die Kölner Täter, deren Existenz der Text verschweigt, stammten aus dem Maghreb.

Die Wirkung des Falter überschätzen die Katalogmacher hingegen: Es gibt alltäglichen Sexismus, der etwa mit US-Filmproduzenten verbunden wird. Manche Linke wehren den Anfängen am liebsten dort, wo keine sind. Das ist nicht nur schändlich, sondern auch politisch dumm.

Quelle:

Andreas Brunner, Barbara Staudinger, Hannes Sulzenbacher (Hg): Die Stadt ohne

Juden Muslime Flüchtlinge Ausländer. Verlag Filmarchiv Austria

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FALTER 29/19
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