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Nina Horaczek
Medien | aus FALTER 21/18 vom 23.05.2018

Es ist eine Geschichte, die in ihrer Brutalität kaum auszuhalten ist. Kurier-Journalistin Yvonne Widler ist es gelungen, sie so zu erzählen, dass einem beim Lesen der Atem stockt. Walfried Janka kam 1966 als Baby zu einer Pflegemutt er, weil die leibliche Mutter zu jung und die Großmutter überfordert war. Sein Fall zeigt, wie wenig das Jugendamt sich lange Zeit um jene Kinder scherte, die am meisten Unterstützung benötigt hätten. Die Pflegemutter schlägt ihn, quält ihn, reißt ihm mit einer Beißzange die Milchzähne aus dem Kiefer, lässt die Kinder nicht aufs WC, sodass der Bub versucht, "sich mit dem Finger den After zuzuhalten".

Janka landet in der Jugendpsychiatrie, wird von Ordensschwestern gequält, steht mit 18 Jahren als Analphabet auf der Straße. Er wird kriminell, Alkoholiker, erschlägt im Suff einen Menschen. Im Jahr 2016 nimmt er Einsicht in seinen Jugendamt-Akt: "Er liest, dass seine Pflegemutter -nur wenige Jahre bevor sie Walfried aufgenommen hat - Kindsmord begangen hat und dafür zu drei Jahren ,schwerem Kerker' verurteilt wurde."

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FALTER 07/19
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