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Der Fall Renate Brauner: Ein Brief des Presserats


FLORIAN KLENK

Medien, FALTER 40/18 vom 03.10.2018

Wenn es um die Berichterstattung über sein Privatleben geht, ist der Wolfgang Fellner zu Recht sehr streng. Schon harmlose Anfragen beantwortet der Chef von Österreich mit Anwaltspost.

Anders verfährt die von Fellner gegründete Boulevardzeitung. So druckte das Blatt Bilder eines "Leserreporters" ab, die die ehemalige Wiener Finanzstadträtin Renate Brauner beim Schuhkauf zeigten. Doch die Sozialdemokratin prasste nicht in irgendwelchen Milliardärsshops auf den Bahamas (was möglicherweise eine Berichterstattung irgendwie hätte rechtfertigen können), nein sie kaufte sich Sandalen in einem "Billigladen" in Lignano, wie Österreich spottete. Ein Eingriff ins Privatleben? Die Judikatur des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte ist streng. Man kann auch öffentlich privat sein. Als Jet-Set-Prinzessin Caroline von Monaco im Supermarkt aufgelauert worden war, attestierten die Richter einen Eingriff ins Privatleben. Der Österreichische Presserat hingegen verzichtete auf ein Verfahren gegen Fellner, schrieb ihm aber einen Brief. Politiker zu sein bedeute nicht, dass man überhaupt keinen Anspruch auf Schutz der Persönlichkeit habe. Der Senat fordert Fellner daher auf, in Zukunft auf die Privatsphäre von Politikerinnen und Politikern stärker Rücksicht zu nehmen.

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FALTER 29/19
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