Ohren auf Wiener Lieder

Schwarze Lieder, aber auch ein wenig Flieder

Gerhard Stöger | Feuilleton | aus FALTER 41/18 vom 10.10.2018

Preiser Records, 1952 gegründet, ist eine unabhängige Wiener Plattenfirma mit großer Geschichte. Seit einigen Jahren wieder vermehrt aktiv, setzt das Label neben Neuproduktionen auch auf die Pflege des Katalogs. Das aktuellste Vinyl-Reissue (CD liegt bei) ist Helmut Qualtinger gewidmet, dem bekanntesten Preiser-Künstler; er wäre dieser Tage 90 geworden.

"Helmut Qualtinger singt Schwarze Lieder" mit Aufnahmen aus den Jahren 1963 und 1966 zählt zu den härtesten Platten der österreichischen Popgeschichte. Von Ernst Kölz mit variantenreicher, aber stets superreduzierter Musik begleitet, interpretiert Qualtinger 21 Texte von H.C. Artmann und Gerhard Rühm. Eigentlich sind diese ohne jeglichen Zierrat auskommenden Literaturvertonungen keine richtigen Lieder, sondern klapprige, furchteinflößende Skelette. Sie handeln von wienerischen Eigenarten und Grausamkeiten, vom devianten Leben und dem lustvollen Sterben und sind stets punktgenau in Szene gesetzt.

Eine andere Seite des großen Wiener Dichters entdecken Willi Resetarits & Stubnblues auf ihrem neuen Album "Artmann" (Nu a Sattele Records), das 16 Texte, unterteilt in "Früjoa", "Suma", "Heabst" und "Winta", ungleich konventioneller in sauber musizierte Lieder überträgt. In ihrer Mischung aus Sanftmut und Zärtlichkeit sind diese vor allem angetan, Streicheleinheiten zu verteilen; gelegentlich animieren sie auch zu beschwingter Schunkelei.

Eine wunderbare Fusion von zart und hart, von dunklen und hellen Momenten ist dem Sänger, Songwriter und Akkordeonisten Stefan Sterzinger mit den 13 akustischen wienerischen Chansons von "Keuschheit und Demut in Zeiten der Cholera" (Bayla/Galileo) gelungen, eingespielt im Trio mit dem Gitarristen Edi Köhldorfer und dem Kontrabassisten Franz Schaden. Große Gefühle, kitschfrei poetisch in Worte gefasst und bei aller Reduktion musikalisch variantenreich umgesetzt.

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FALTER 45/18

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