Gelesen Bücher, kurz besprochen


Anna Goldenberg
Politik | aus FALTER 43/18 vom 24.10.2018

Wie Millennials ticken

Wie es ist, als Teil jener Generation erwachsen zu werden, der die Digitalisierung in die Kindheit hineingrätschte, darüber schreibt Bianca Jankovska in ihrem Erstlingswerk, einer munteren Essaysammlung mit dem etwas irreführenden Titel "Das Millennial-Manifest". Denn Jankovska, Jahrgang 1991, liefert keine entschiedenen Antworten, sondern erzählt aus ihrem Leben, vergleicht und reflektiert. Liebe, Arbeitsleben und Freizeit sind die drei großen Themenblöcke, die Frage, wie das Internet diese bestimmt, zieht sich durch. Die Antworten bleiben oftmals sehr nahe an der jeweiligen Begebenheit. Wer das Glück -oder Pech -hat, zur gleichen Generation zu gehören, wird sich in einigen ihrer Erfahrungen wiederfinden. Alle anderen tauchen wohl in eine verwirrende Welt zwischen Beepworld, Tinder und Lady Gaga ein. Unterhaltsam zu lesen sind die mundgerecht portionierten Essays allemal, die Sprache ist frech und bisweilen polemisch. Da schreibt die gebürtige Wienerin Jankovska, die nun in Berlin lebt, über ihr erstes Online-Date im zarten Alter von 15 Jahren (mit "mani90", den sie auf "Websingles" kennenlernte), berichtet offen über Neid in der Freundschaft, ihre Erfahrung bei Praktika und die Enttäuschung von Partys. Das klingt dann ungefähr so: "Geburtstagsfeiern sind in etwa so spontan und ungezwungen wie ein Mittagessen mit dem Exfreund. (...) Man freut sich schon, die andere Person zu sehen, aber man hat auch ein bisschen Bauchweh, das man mit einer halben Pille Mefenem betäubt."

Bianca Jankovska: Das Millennial Manifest. Rowohlt Taschenbuch, 192 S., € 10,-

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FALTER 49/18

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