Warum so kompliziert?

Nachrichten in leichter Sprache helfen bei der Integration. In Schweden funktioniert das seit Jahren, in Österreich tut sich wenig. Dabei wäre es ganz einfach

Bericht: Nikolai Atefie | Medien | aus FALTER 44/18 vom 31.10.2018


Illustration: MEV / allOver / picturedesk.com

Der sozialdemokratische Parteichef und Premierminister Stefan Löfven hat heute seine Sondierungsgespräche begonnen, um eine neue Regierung zu erarbeiten.“ Beiträge über die Pattsituation nach den schwedischen Parlamentswahlen Anfang September, die weder eine klare Mehrheit für das linke noch für das bürgerliche Bündnis schufen, hörte man dieser Tage häufig aus den Radiogeräten im Land an der Ostsee. Die Nachrichten klangen aber nicht überall gleich. „Stefan Löfven bekommt die Möglichkeit, eine Regierung zu bilden.“ So fasst es die Redaktion von Klartext zusammen, etwas langsamer gesprochen als in den anderen Radiosendungen. Täglich hören 350.000 Menschen die fünfminütige Nachrichtensendung in „leichtem Schwedisch“ („lätt svenska“), die der öffentlich-rechtliche Rundfunk produziert.

Der Grund: Das Zehn-Millionen-Einwohner-Land ist im vergangenen Jahrzehnt um eine Million gewachsen. Allein mit der Flüchtlingskrise 2015 sind 162.000 Menschen ins Land gekommen, Menschen, die Schwedisch lernen, die Gesellschaft verstehen und Arbeit finden müssen. Der schwedische öffentlich-rechtliche Rundfunk setzt deshalb verstärkt auf Programme für diese Zielgruppe. Medien in leichter Sprache kommen längst nicht nur bei Migranten gut an. In mehreren europäischen Ländern sind sie auf dem Vormarsch, wurden in Reaktion auf die Flüchtlingskrise etabliert. Dass sie bei der Integration helfen, zeigt sich. Nur in Österreich tut sich wenig. Dabei wäre es nicht so schwierig.

Was ist eigentlich leichte Sprache? Eine offizielle Definition oder gar gesetzliche Vorgaben dafür gibt es weder für Deutsch noch für Schwedisch. Hört man Mattias Klefbeck, dem Klartext-Redaktionsleiter zu, klingt es einfach. „Man muss Vokabeln wählen, die oft im Alltag vorkommen, die nicht zu speziell sind oder selten angewendet werden“, sagt Klefbeck. „Wir lesen ein bisschen langsamer und achten auf einen simplen Satzbau.“ Klefbeck arbeitet seit über 15 Jahren in der Klartext-Redaktion, die sich im altehrwürdigen Regionalstudio des Schwedischen Radios im zentralschwedischen Falun befindet. Die Häuser sind hier rot gestrichen, die Farbe kommt aus der Kupfermine von Falun.

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