Untreu? Typisch Frau!

Sind Frauen von Natur aus nicht für die Zweisamkeit gemacht? Eine neue Generation an feministischen Wissenschaftlerinnen rüttelt am Klischee der braven Brutpflegerin


Überblick: Barbara Tóth
Stadtleben | aus FALTER 44/18 vom 31.10.2018


Illustration: Bianca Tschaikner

Am Anfang des großen Missverständnisses über weibliche Sexualität und Lust steht ein kleines Lebewesen, die Drosophila-Fliege. Im Jahr 1948 untersuchte der britische Genetiker Angus Bateman das Paarungsverhalten dieses Insekts. Der Forscher ließ seine Fliegenmännchen in Glasflaschen auf die Fliegenweibchen los. Die Damen wurden fast alle befruchtet, egal, ob sie mehr oder weniger Sex hatten. Bei den Herren ging jeder fünfte leer aus. Paarung, schloss Bateman, ist harter Wettbewerb unter Männchen. Herumvögeln macht nur für sie Sinn, für Frauen lohnt es sich nicht wirklich.

Es dauerte fast sechs Jahrzehnte, bis das sogenannte „Bateman-Prinzip“ wiederlegt wurde, was wohl auch daran lag, dass es einfach zu gut in das gesellschaftlich erwünschte Klischee vom allzeit bereiten, starken Macho und der behüteten Frau, die sich ziert und erobert werden will, passte.

Und es ist sicher kein Zufall, dass es eine Wissenschaftlerin war, die das mittlerweile in über 1500 Arbeiten zitierte Experiment des Briten überprüfte – und widerlegte. Im Jahr 2007 wiederholten die amerikanischen Evolutionsbiologen Brian Snyder und Patricia Gowaty Batemans Versuchsanordnung und kamen zum Schluss, dass sich wildes Paaren mit vielen Partnern gleichermaßen für beide Geschlechter lohnt. Denn auch Weibchen, die Sex mit mehreren Gespielen haben, bekommen mehr Nachwuchs.

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