Zeit am Schirm


Matthias Dusini
Medien | aus FALTER 51/18 vom 19.12.2018

Die italienische Netflix-Serie "Baby" hat ein Genderproblem. Ihre Protagonisten sind Schüler und Schülerinnen einer römischen Privatschule. Die Teenager kommen aus kaputten Familien, und zwei Freundinnen geraten in die Fänge von Kriminellen, die sie zur Prostitution zwingen. Der Stoff geht auf den sogenannten "Baby squillo"-Skandal zurück: Einige Mädchen hatten sich an Politiker, Ärzte und Unternehmer verkauft, um sich teure Konsumartikel leisten zu können.

Streckenweise fängt "Baby" gelungen die Stimmung junger Menschen ein, die zwischen Euphorie und Melancholie schwanken. Die Geschlechterrollen bleiben aber holzschnittartig. Die Mädchen verharren in der Rolle verführerischer Lolitas, während von den Burschen erwartet wird, wahlweise hart oder romantisch zu sein. Die Regisseurin Anna Negri, übrigens Tochter des linken Theoretikers Antonio Negri, erzählt Wohlstandsverwahrlosung als harmlose Coming-of-Age-Geschichte. Die düsteren Hintergründe von Hyperkonsumismus und bürgerlicher Doppelmoral bleiben ausgespart: Kinderprostitution als Lifestyledrama. F

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FALTER 08/19
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