Vom Kreißsaal in den Hörsaal

Einer von zehn Studierenden hat schon ein Kind. Gerade Getrennt-und Alleinerziehende stellt das vor eine besondere Herausforderung

Bericht: Elisa Tomaselli | Stadtleben | aus FALTER 51/18 vom 19.12.2018


Foto: Elisa Tomaselli

Überwältigend – so war dieser erste Moment. Er strahlte über das ganze Gesicht. Zu dem Gefühl der Freude gesellten sich schnell auch andere Fragen dazu: Wie soll ich das schaffen? Vor gut acht Jahren erfuhr Lukas, dass er Papa wird. Damals war er gerade für den Medizinaufnahmetest am Büffeln. Ein Kind zu kriegen, dieser Gedanke war ihm mit seinen 21 Jahren noch fremd. Und doch entschied er sich für beides: für das Kind und für das Studium. “Ich will ja auch meinem Sohn das vorleben, was ich für lebenswert halte”, sagt er. Und es war nun einmal sein Berufswunsch, Arzt zu werden.

Sein ganzes Leben hatte er von seinen Eltern gehört, ein Kind wäre doch was Schönes. Würden sie das, vor vollendete Tatsachen gestellt, jetzt auch noch so sehen? Die Antwort der Eltern war nicht überraschend, aber doch erleichternd. Sie freuten sich sehr. “Wir machen das irgendwie”, sagten sie. So eine ähnliche Ansage hätte er sich auch von universitärer Seite erhofft. Zumindest aufbauende Worte, was die Vereinbarkeit von Kind und Studium angeht. Gekriegt hat er im Sozialreferat der ÖH Meduni Wien nur eine Broschüre und den Hinweis, dass er sich für Kleingruppen voranmelden sollte.

30.100 Studierende in Österreich sind bereits Mama oder Papa. Würde man sie abzählen, wäre das jeder bzw. jede Zehnte im Hörsaal. Ob sie aber ungehindert an Seminaren oder Vorlesungen teilnehmen können, ist von vielen Faktoren abhängig: Kann man auf die Familie zurückgreifen? Fällt der Kurs in die Arbeitszeit? Hat der Kindergarten noch offen? Wenn ein Seminar um 18 Uhr beginnt, wird Letzteres nicht mehr zutreffen. Das Kind mitnehmen? Das hängt auch davon ab, wie kulant die Professoren sind. Aber auch von der eigenen Hemmschwelle, sich den Blicken der Kommilitonen auszusetzen, falls das Kind plötzlich anfängt zu weinen.

  994 Wörter       5 Minuten
Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl inklusive Online-Zugang, um diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext zu lesen.
Holen Sie sich hier Ihren Online-Zugang und lesen Sie diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext.

Lesen Sie diesen Artikel in voller Länge mit Ihrem FALTER-Abo-Onlinezugang.

Passwort vergessen?
Bitte liken Sie den FALTER auf Facebook:

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige


Anzeige