"Ich engagier mich einfach"

Der Journalist und Aktivist Max Zirngast über seine Haft in der Türkei, den Glauben an ein faires Verfahren und die Angst vor dem Prozess


Interview: Anna Goldenberg
Medien | aus FALTER 02/19 vom 09.01.2019


Foto: ADEM ALTAN / AFP / picturedesk.com

Über drei Monate verbrachte der Österreicher Max Zirngast, Journalist, Student und Aktivist in Ankara, in einem türkischen Hochsicherheitsgefängnis. Der türkische Staat wirft ihm vor, Mitglied einer terroristischen Organisation zu sein. Zirngast hatte mehrfach kritisch über die türkische Kurdenpolitik geschrieben und hatte sich in Studentenorganisationen engagiert. Am 24. Dezember wurde Zirngast freigelassen, er muss sich wöchentlich bei der Polizei melden und darf bis zu seinem Prozess ab 11. April das Land nicht verlassen. Außenministerin Karin Kneissl forderte im November einen fairen Prozess und meinte, politische Einmischung sei nicht möglich. Der Österreichische Journalistenclub warf der österreichischen Regierung daraufhin vor, sich nicht ausreichend für die Freilassung Zirngasts einzusetzen. Im Gespräch mit dem Falter, das vergangene Woche via Skype stattfand, sieht sich der 29-Jährige als politischer und nicht als österreichischer Gefangener.

Falter: Herr Zirngast, in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft wird Ihnen die Mitgliedschaft bei einer Terrororganisation vorgeworfen. Die TKP/K, die Kommunistische Partei Türkei/Funke, ist seit 1995 vermutlich inaktiv. Nun sollen Sie deren Ankara-Verantwortlicher sein. Haben Sie mit dieser Terrororganisation etwas zu tun?

Max Zirngast: Nein. Solche Vorwürfe, nämlich angebliche Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation, werden benutzt, um legale, demokratische oppositionelle Arbeit zu kriminalisieren oder ins Terror-Eck zu rücken. Der Terrorbegriff ist in der Türkei sehr breit definiert, sag ich jetzt einmal vorsichtig. Es werden Organisationen herangezogen, deren Existenz nicht einmal belegt ist, wie in meinem Fall. Bei mir dürfte es vor allem mit den Zeitungen und Internetplattformen zu tun haben, für die ich geschrieben habe. Ich schreibe in der Türkei für sendika.org und die sozialistische Zeitung Toplumsal Özgürlük. Über Letztere dürfte die Beziehung hergestellt worden sein.

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