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Nina Horaczek

Medien | aus FALTER 03/19 vom 16.01.2019

Vom Osten weitgehend unbeachtet, hatte der österreichische Westen vorige Woche seinen Mini-Relotius. Die Vorarlberger Nachrichten informierten ihre Leser, dass sie "mit sofortiger Wirkung" ihre Zusammenarbeit mit dem Gastkommentator Fritz Amann beenden. Amann ist ein langjähriger FPÖ-Politiker. Er war nicht so kreativ wie der Spiegel-Journalist Claas Relotius, der ganze Artikel erfand. Amann übernahm einen Text der Neuen Zürcher Zeitung. Dabei war der blaue VN-Schreiber schon zuvor auffällig gewesen. In seinen Kommentaren schimpfte er über "sozialpartnerschaftlichen Funktionärskrebs" oder forderte "eine gemeinsame Bürgerbewegung für die dringende Abwahl dieses dilettantischen Politgeschwürs".

Wie sehr sich die Sprache im Journalismus verändert, zeigte vergangene Woche auch das Nachrichtenmagazin Profil. "Sie waren 2015 eine Willkommensklatscherin", sagt das Magazin zur scheidenden Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou. 2015 erfanden Rechtsextreme diesen abwertenden Begriff für Menschen, die Flüchtlingen helfen. 2018 ist er in Qualitätsmedien zu lesen.

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FALTER 17/19
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