Zeit am Schirm

TV-Kolumne


Matthias Dusini
Medien | aus FALTER 03/19 vom 16.01.2019

Eine der subtilsten Kritiken an Trump-Amerika kommt aus dem Hause Netflix. Der Abgesang auf die Konsumgesellschaft tarnt sich als Ratgeber. In "Aufräumen mit Marie Kondo" geht es um eine japanische Autorin, die Familien beim Ausmisten hilft. Marie Kondo kommt in Häuser, die aus allen Nähten platzen. Die Kleiderschränke sind voll, in den Küchenschränken stapeln sich unnötige Mixer. Sogar die Garagen werden als Lager benutzt, für Christbaumschmuck, Hochzeitsgeschenke und Familienalben.

In diesen Ruinen des Materialismus predigt Kondo das sanfte Gesetz. Als Erstes kniet man sich nieder, um das Gebäude als Gegenüber zu begrüßen. Dann beginnt das Aussortieren unnützer Gegenstände, was ebenfalls nicht bloßes Wegschmeißen ist. Die Eigentümer sollen sich von den alten T-Shirts mit einem "Danke" verabschieden. Mit eisern freundlicher Miene fordert die Trainerin Respekt vor den Dingen. Kaputte Paare üben das Falten von Handtüchern. Die Ordnung des Lebens hat therapeutische Wirkung. Wann besucht Frau Kondo das Weiße Haus?

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FALTER 12/19
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