Der verlorene Sohn

Ein kleiner Bub verstirbt bei einer harmlosen Operation. Das Spital verspricht Transparenz und weist vor Gericht doch jede Schuld von sich. Nun öffnen die Eltern den erschreckenden Gerichtsakt


Bericht: Florian Klenk

Politik | aus FALTER 05/19 vom 30.01.2019


Am frühen Nachmittag des 27. April treten die Ärzte zum letzten Mal an Davids Bett, sie nehmen zum zweiten Mal die Hirntoddiagnostik vor. Sie kitzeln seine Zehen, träufeln Wasser in die Ohren, aber seine Reflexe setzen nicht ein.

David P. und seine Eltern während des Abschaltens der Beatmungsgeräte im Landeskrankenhaus: „Sie haben ihn mit allen Mitteln der Medizin umgebracht“ (Foto: Privat)

Die Eltern wollten diesen letzten Moment noch hinauszögern, vor zehn Tagen hieß es doch noch, die Operation sei gelungen. Man solle die Meinung eines Arztes aus einem anderen Spital einholen, bat die Mutter. Aus München oder Wien, bitte! Die Ärzte aber wehren ab: „Verstehen Sie nicht, dass wir einen Toten beatmen?“

Eine Schwester betritt das Zimmer und erklärt, dass die Eltern mit ihrem Kind „noch ein paar Minuten kuscheln“ können. Die Hinterbliebenen könnten auch den Fußabdruck des Buben nehmen, eine Locke abschneiden, ihm ein anderes Kleidchen anziehen. Eine LED-Kerze flackert im Zimmer. Offene Flammen sind im Krankenhaus verboten. Die Sicherheit.

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