Am Apparat Telefonkolumne

Ein christlicher Feiertag mehr, wie finden Sie das, Herr Alm?


Interview: Josef Redl

Politik | aus FALTER 05/19 vom 30.01.2019

Bis dato war der Karfreitag, der Freitag vor Ostern, nur für evangelische und altkatholische Arbeitnehmer ein gesetzlicher Feiertag. Nun hat der Europäische Gerichtshof im Sinne der Gleichbehandlung entschieden, dass das Recht auf diesen Feiertag für alle gleich gelten muss. Der Publizist und Ex-Neos-Abgeordnete Niko Alm setzt sich seit Jahren kritisch mit der Vermischung von Staat und Religion auseinander. Was hält der bekennende Anhänger der religionskritischen Pastafari-Religion von dem Urteil?

Ein Feiertag mehr. Gut, nicht?

Natürlich freue ich mich persönlich auch, wenn ich einen Tag mehr frei habe. In der politisch-philosophischen Reflexion sehe ich das ein wenig anders. Überraschend war für mich, dass der EuGH etwas festgestellt hat, was ohnehin offensichtlich ist. Nämlich dass hier diskriminiert wird.

Sind gesetzliche Feiertage, die auf religiösen Festen beruhen, nicht immer diskriminierend - gegenüber Religionen, denen keine Feiertage zugestanden werden zum Beispiel?

Natürlich. Darüber hinaus werden religiöse Gewissensgründe gegenüber nichtreligiösen privilegiert. Wer sagt, dass das religiöse Bedürfnis, einen Feiertag zu begehen, wichtiger ist als mein atheistisches Bedürfnis, den Jahrestag mit meiner Freundin zu feiern? Da hätte ich vielleicht ja auch gerne frei.

Im Gegensatz zum Karfreitag für alle wird dieser Argumentation bloß kein Gericht folgen, oder?

Das glaube ich auch. Ich verstehe auch, dass eine Vielfalt an persönlichen Gründen -angefangen vom Jahrestag mit der Freundin -juristisch nicht zu bewältigen wäre. Aber prinzipiell muss man festhalten: Ein Staat ist nur dann wirklich neutral, wenn er in der Gesetzgebung zwischen Religion und Weltanschauung keinen Unterschied mehr macht.

Was ist eigentlich Ihr Lieblingsfeiertag der Pastafari?

Sehr schön ist der "Talk like Pirate"-Day am 19. September. Das eine oder andere "Arrr!" oder "Her mit dem Grog!" ist da verpflichtend.

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FALTER 12/19
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