Am Apparat Telefonkolumne

Wie viele Hitzetote gab es im Vorjahr, Herr Allerberger?

Anruf: B. Narodoslawsky | Politik | aus FALTER 06/19 vom 06.02.2019

Ausgerechnet jetzt, da die Schneemassen in Österreich gerade erst abschmelzen, berechnete Österreichs Gesundheitsagentur Ages die Zahl der Hitzetoten vom Vorjahr. Der Falter veröffentlicht sie exklusiv im Interview mit Franz Allerberger, dem Leiter der Abteilung Öffentliche Gesundheit.

Warum kommt die Berechnung zu den Hitzetoten im Winter heraus?

Man braucht für die Berechnung valide Datensätze, deshalb haben wir bis zum Jahresende gewartet. Die Daten stammen von der Statistik Austria und der Zentralanstalt für Meteorologie, von der wir Mitte Jänner noch Updates bekommen haben.

Die Ages berechnet die "hitzeassoziierte Übersterblichkeit", also die Zahl der Hitzetoten in Österreich. Wie viele waren es 2018?

766. Da bewegen wir uns mittlerweile in der Größenordnung der Grippe, an der sterben etwa 1000 Österreicher pro Jahr. Der Klimawandel ist also kein Fantasieobjekt von Wissenschaftlern, sondern ein Problem, das die ganze Bevölkerung realisieren muss. Wir werden lernen müssen, wie wir diese hitzeassoziierte Übersterblichkeit hintanhalten können.

2017 gab es laut Ihrer Berechnung 609 Hitzetote. 2018 forderte also um ein Viertel mehr Hitzeopfer. Warum?

Zum einen war der Sommer extrem heiß. Zum anderen sehen wir, dass das Problem vor allem die plötzlich einsetzenden Hitzewellen im Frühjahr sind, wie es sie 2018 gab. Auch wenn die Temperaturen noch nicht extrem hoch sind, wird es also immer dann gefährlich, wenn sie abrupt ansteigen. 2018 war aber bei weitem nicht so arg wie 2015. Das war bisher das schlimmste Jahr mit 1146 Toten.

Im Vorjahr lieferten Sie noch andere Hitzeopferzahlen für 2017 und 2015. Woran liegt das?

Weil die verfügbaren Datensätze mittlerweile von höherer Qualität sind, also etwa mehr Wetterstationen inkludieren. Derzeit decken unsere meteorologischen Daten bereits 80 Prozent der Bevölkerung ab.

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FALTER 12/19
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