Die guten Seiten der 80er

Ein Szenebeisl wie früher, nur etwas besser. Und ohne Rauch


Lokalkritik: Florian Holzer

Stadtleben | aus FALTER 06/19 vom 06.02.2019


Foto: Heribert Corn

Wenn man da jetzt im neuen Propeller in der Margaretenstraße sitzt, fragt man sich, was da früher eigentlich drin war. Vage erinnert man sich vielleicht, hier schon einmal gewesen zu sein, bei irgendwelchen Geburtstagsfeiern im Keller, von denen man hofft, dass sämtliche Fotos vernichtet oder zumindest wahnsinnig unscharf sind. Aber Namen, Angebote, Aussehen – Dunkelheit.

Erst nach langer Recherche kommen die Namen zurück: Engels hießen die Lokale zum Beispiel, oder aQuadrat, und vorher war einmal ein Antiquitätengeschäft drin. Und der Platz ist eigentlich genau mittendrin im Wiener Urbanismus, hier wohnen alle, hier haben alle ihre Studios, hier gehen alle ins Kino. Aber so wirklich ein lässiges Neighbourhood-Beisl gab’s eigentlich nicht. Auch nicht das böhmische Lokal, das sich der Jurist Stefan Winkler und der Barbesitzer Clemens Winkler (nicht miteinander verwandt) in der Margaretenstraße ansahen, als sie auf der Suche nach einem Platz für ihr neues Projekt waren.

Aber als sie nach der Besichtigung dastanden, eine rauchten und dabei die Bar auf der anderen Straßenseite sahen, dachten sie, genau das könnte es sein. Als sie umbauten, verhängten sie die Fenster nicht, erzählt Stefan Winkler, die Leute konnten zuschauen, wie hier etwas entsteht. Ein möglicher Grund, warum das Propeller vom ersten Tag an voll war. Vielleicht auch, weil es so einen coolen 80er-Jahre-Namen hat und die 80er-Jahre ja gerade wieder ein starkes Comeback erleben. Vielleicht auch, weil sich die beiden bei der Gestaltung des Propeller jegliche Attitüde verkniffen, das Propeller ist nicht besonders gestylt, lebt eher von der Schönheit des großen Raums mit den großen Fenstern, keine Designerlampen, keine Kunstwerke, weiße Wände, Industrieparkett, minimalistische Bar, fertig. Nein, doch nicht ganz, denn das Propeller hat auch eine Küche, und in der steht Lorenz Wallmann, der vorher im Skopik&Lohn war, und der kocht hier weitaus besser, als in der 80ern in jenen Lokalen, die so ähnlich wie das Propeller aussahen, gekocht wurde. Mittags eine tolle Suppe zum Beispiel, ein fleischiges Schmorgericht und ein würdiges vegetarisches.

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