Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Unkeusch


Heidi List

Kolumnen | aus FALTER 07/19 vom 13.02.2019

In der Bibel geht die Post ab. Ich stieß auf die Hohelieder, wohl der Ursprung der ca. 1000-Zeichen-Sexkolumne, wie wir sie heute kennen. "Er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes; ja, deine Liebe ist köstlicher als Wein. Seine Linke liegt unter meinem Haupte, und seine Rechte herzt mich." Hohelied 1,2. Das geht ja noch.

Aber: "Siehe, meine Freundin, du bist schön; deine Augen sind wie Tauben hinter deinem Schleier und dein Mund ist lieblich. Deine beiden Brüste sind wie zwei Kitze, Zwillinge einer Gazelle, die unter den Lotosblüten weiden. Rund sind deine Schenkel wie zwei Spangen, die des Meisters Hand gemacht hat." Hohelied 4,1.

Und dann gab es noch Visionen der "Bräute Christi":"O du brennender Gott in deiner Begierde! O du fließender Gott in deiner Liebe! O du schmelzender Gott in der Vereinigung mit deiner Geliebten! O du ruhender Gott an meinen Brüsten, ohne den ich nicht sein kann. O Herr, minne mich gewaltig und liebe mich oft und lang."

Samma sich ehrlich: Wenn das sich gewaltig Minnenlassen noch kein Sex ist, dann will ich nicht dabei gewesen sein, wenn sie wirklich loslegen.

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FALTER 16/19
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