Zu viel des Bösen: David Schalkos ORF-Serie "M -Eine Stadt sucht einen Mörder"

Kritik: Michael Pekler | Feuilleton | aus FALTER 08/19 vom 20.02.2019

Werden S'jetzt nicht geschmacklos, sonst können S'ab morgen die Rumänen observieren." Die Polizeipräsidentin redet mit dem ermittelnden Kommissar Tacheles. Die fütternde Hand des Innenministers sei bitteschön nicht zu beißen, außerdem ist nach einem Flüchtlingsmädchen nun ein österreichisches Kind verschwunden. Die nervenraubenden familiären Probleme gehören für den Fernsehkommissar zum Alltag. Und leise rieselt der Schnee auf Wien.

Lautlos geht auch der umtriebige Triebverbrecher in David Schalkos "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" ans Werk, wohingegen die vom ORF koproduzierte Krimiserie eher lautstark auftritt. Das gehört sich vermutlich so bei einem prominent besetzten Prestigeprojekt, das Fritz Langs gleichnamigen Filmklassiker aus dem Jahr 1931 von Berlin ins heutige Wien verlegt - und mit sechs Episoden auf insgesamt viereinhalb Stunden verlängert.

Ausgerechnet damit hat diese Neuverfilmung allerdings arg zu kämpfen, obwohl doch, wie schon bei Lang, eine genaue Beschreibung der Milieus die eigentliche Stärke dieser Serie sein könnte. Der politisch korrumpierte Polizeiapparat; eine um ihren guten Ruf fürchtende Unterwelt; und ein spießiges Wiener Kleinbürgertum, das Moral predigt und Borniertheit lebt: Das würde für eine Bestandsaufnahme der beklemmenden Verhältnisse in diesem Land schon reichen.

Doch um dieses Bild einer Stadt in Angst zu zeichnen, setzt "M" auf Zuspitzung an der Grenze zur Karikatur: Der rechtspopulistische Innenminister, der nackt vor dem Spiegel posiert, koaliert mit dem opportunistischen Medienmacher ("Das Verbrauchen ist der Hunger der Nimmersatten"), während die Unterweltkönigin sich bei der Mörderjagd der Hilfe von Flüchtlingen bedient. Die Zitate reichen um ihrer selbst willen von "Peter Pan" über Stephen King (Achtung, Clown!) bis zum "Dritten Mann". Wie meint der stadtbekannte Unbekannte im finalen Tribunal, als spräche er von Zuschauern für diese Serie? "Ich bin hier, um zu rekrutieren!"

Weitere Termine: 20.2. und 22.2.

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FALTER 12/19
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