Zu viel der Schande: Frauen im Film

Das Roadmovie "Drei Gesichter" des iranischen Filmemachers Jafar Panahi ist eine Hommage an drei Schauspielerinnen


Empfehlung: Michael Omasta

Feuilleton | aus FALTER 08/19 vom 20.02.2019

Der Schock sitzt tief. Das Handyvideo, das Behnaz Jafari, die berühmte Schauspielerin, erhalten hat, zeigt ein Mädchen, das sich aus Verzweiflung das Leben genommen zu haben scheint. Marziyeh wollte unbedingt zum Film, doch für ihre Familie wäre das zu viel der Schande.

Zusammen mit dem Regisseur Jafar Panahi macht sich Behnaz Jafari auf den Weg in das Dorf des Mädchens, das im türkischsprachigen Nordwesten des Iran liegt. Der teure Geländewagen, mit dem sie unterwegs sind, macht augenscheinlich, wie fremd die beiden Großstädter in dieser kargen, der Tradition noch stark verhafteten Gegend sind.

Die Suche ist ein zentrales Motiv von "Drei Gesichter", dem Roadmovie von Jafar Panahi, über den das autoritäre Regime in seiner Heimat immer wieder einmal Reise-und Berufsverbote verhängt. Das hat ihn nicht nur zum Star des internationalen Festivalzirkus gemacht, sondern auch zum bekanntesten Filmemacher seines Landes.

Auf ihrer Reise begegnen den beiden Filmleuten die wunderbarsten Charaktere: eine alte Frau, die Probe liegt in ihrem Grab, ein Tierzüchter, dessen wertvollster Bulle die Straße blockiert, oder der redselige Dorfälteste, der die Besucher mit einer delikaten Angelegenheit betraut. Mit der Zeit bekommt die innige Gastfreundschaft dieser Menschen auch etwas leise Forderndes.

Bei aller Popularität haben Schauspielerinnen im Iran bis heute einen zweifelhaften Ruf. So ist "Drei Gesichter" nicht zuletzt eine Hommage an drei Generationen von Darstellerinnen: die Zukunft (das Mädchen Marziyeh), die Gegenwart (Behnaz Jafari) und die Vergangenheit, verkörpert von Shahrzad, einem Star des Kinos vor der islamischen Revolution.

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FALTER 12/19
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