Am Apparat Telefonkolumne

Wie viele Österreicher sind noch beim IS, Herr Schmidinger?


Anruf: Anna Goldenberg

Politik | aus FALTER 08/19 vom 20.02.2019

Als territoriales Gebilde ist der Islamische Staat (IS) weitgehend besiegt. Laut Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismuswesen sollen rund 320 Menschen aus Österreich für den IS gekämpft haben. Viele davon starben, andere sind bereits zurückgekehrt. Doch was tun mit den ehemaligen Kämpfern? Der Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger reiste im Jänner nach Syrien und in den Irak und besuchte dort Gefangenenlager.

Die USA wollen sich aus Syrien zurückziehen. US-Präsident Donald Trump verlangt von Europa, IS-Kämpfer zurückzunehmen. Was bedeutet das für Österreich?

Im Moment, dass einige wenige Frauen mit Kindern zurückgebracht werden. Was ich auch weiß, ist, dass es in der letzten Enklave des IS noch mindestens zwei österreichische Frauen mit drei Kindern gegeben hat.

Und was ist mit den Männern?

Die sind entweder tot oder bei anderen Gruppen aktiv. Es gab mit Stand Ende Jänner weder bei den Irakern noch bei den Demokratischen Kräften Syriens, also dem Anti-IS-Militärbündnis, in dem viele Kurden kämpfen, einen einzigen österreichischen Mann in Gefangenschaft. Es könnte bei der syrischen Regierung einen geben. Aber das ist eher theoretisch, weil die syrische Armee relativ viele männliche Kämpfer exekutiert hat.

Hat Österreich wirklich eine "unverhältnismäßig hohe Anzahl" an IS-Kämpfern, wie Außenministerin Kneissl sagt?

Na ja. Von denen, die versucht haben , hinunterzugehen, gab's per capita in Österreich mehr als in anderen europäischen Ländern. Es waren mehr als in Deutschland, aber weniger als im Kosovo. Viele von diesen Leuten waren aber keine Staatsbürger. Die wären jetzt nicht als Österreicher im Irak oder in Syrien registriert. Ein russischer Staatsbürger, der in Österreich asylberechtigt ist, scheint also nicht als Österreicher auf. Rechtlich ist Österreich verpflichtet, sich um Staatsbürger zu kümmern. Wie es mit Asylberechtigten oder subsidiär Schutzberechtigten umgeht, wird erst zu klären sein.

Fanden Sie diesen Artikel interessant? Dann abonnieren Sie jetzt und bleiben Sie mit unserem Newsletter immer informiert.

FALTER 12/19
Bitte liken Sie den FALTER auf Facebook:

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige


Anzeige