DIE KLIMAWANDELLEUGNER-LOBBY

Die europäischen Rechtspopulisten stimmen im EU-Parlament konsequent gegen Klimaschutz, und in Österreich verbündet sich das freiheitliche Hayek-Institut mit US-Thinktanks, die den Klimawandel leugnen


BERICHT: NINA HORACZEK

Politik, FALTER 09/19 vom 27.02.2019

Manni ist Zeuge. Das Mammut aus dem Zeichentrickfilm "Ice Age" beweist, dass der Mensch nicht schuld ist am Klimawandel. "Wenn die Kinder den Film 'Ice Age' kennen und sehen, dass es eine Eiszeit gab, und in einem weiteren Teil gezeigt wird, wie die wieder verschwand, und auch sehen, dass es da noch keine Autos gab oder Industrie, werden sie auch sehen, dass es immer schon einen Klimawandel gab." So twitterte Nicole Müller-Boder, Abgeordnete der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei.

Ähnliches hört man auch aus der FPÖ. Da erklärte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, das mit dem Klimawandel sei nicht so wild, schließlich sei auch einst Grönland ganz grün gewesen. Im Parlament machte wiederum der FPÖ-Abgeordnete Wolfgang Klinger die "Himmelsmechanik" und nicht den Menschen für die Erderwärmung verantwortlich.

Das mag alles lustig klingen, ist aber ernste Politik. Eine diese Woche in Brüssel präsentierte Studie der deutschen Denkfabrik Adelphi zeigt, was dieses Leugnen des vom Menschen verursachten Klimawandels in der Praxis bedeutet.

Adelphi hat analysiert, wie die Abgeordneten der 21 stärksten rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien im EU-Parlament in den vergangenen zwei Legislaturperioden bei Klimawandelfragen abstimmten. Das Ergebnis: Im EU-Parlament sind die Parteien der extremen Rechten die größten Bremser einer verbindlichen europäischen Klimaschutzpolitik. Parteien wie die deutsche AfD, die italienische Lega Nord oder Geert Wilders' niederländische Partei für die Freiheit stimmten seit 2009 konsequent gegen so gut wie alle zentralen Klimaschutz-und Energiewende-Anträge.

In Frankreich wünscht sich Rassemblement-national-Führerin Marine Le Pen den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen, weil dies ein "kommunistisches Projekt" sei, in Deutschland fordert die AfD im Bundestag per Gesetzesantrag, sämtliche Klimaschutzmaßnahmen sofort zu beenden -schließlich habe die Erderwärmung positive Effekte auf Pflanzenwachstum und Welternährung. In den Niederlanden erklärt der Rechtspopulist Wilders: "Sie sorgen sich wegen eines Klimawandels. Aber sie werden bald einen islamischen Winter erleben." Nur die ungarische Fidesz von Viktor Orbán glaubt, dass der Mensch schuld daran ist, dass es auf der Erde heißer wird.

Europas Klimawandelleugner werden mit der EU-Wahl im Mai dieses Jahres wohl weiteren Auftrieb bekommen. Denn nach derzeitigen Umfragen sieht es so aus, als könnten sie zahlreiche zusätzliche Sitze im EU-Parlament erobern. Momentan haben die Rechtspopulisten 151 von 751 Mandaten. Laut Umfragen soll sich die deutsche AfD von derzeit einem EU-Abgeordneten auf bis zu 15 steigern, die Lega Nord könnte von 17 Prozent auf bis zu 31 Prozent dazugewinnen und stärkste Kraft in Italien werden. In Spanien soll die ultranationalistische Vox mit bis zu 13 Prozent neu ins EU-Parlament einziehen.

Das wird Auswirkungen auf die europäische Klimapolitik haben. Denn bisher war es das EU-Parlament, das besonders weitreichende Klimaschutzmaßnahmen einforderte, und nicht die Kommission oder der Rat.

Auch die FPÖ, die vier EU-Abgeordnete stellt, ist auf europäischer Ebene ganz vorn dabei bei jenen, die Klimaschutzmaßnahmen blockieren. Die Blauen legten sogar häufiger ein Klimaschutzveto ein als die ultrakonservative polnische Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Und das, obwohl Österreich im Gegensatz zu Polen keine Kohleindustrie besitzt.

Die Freiheitlichen stimmten im EU-Parlament geschlossen gegen ein verbindliches EU-Energieeffizienzziel, gegen strengere CO2-Grenzwerte für Autos bis zum Jahr 2030, gegen neue Regelungen zur Vermeidung von Emissionsbetrug bei Autoneuzulassungen, gegen Empfehlungen des EU-Parlaments für die Uno-Klimakonferenz, gegen strengere Grenzwerte für Treibhausgasemissionen und vieles mehr.

Warum sie so konsequent gegen Klimaschutz

auftreten, wollten die Freiheitlichen nicht beantworten. FPÖ-Delegationsleiter Harald Vilimsky ließ nach mehrfachen Anfragen wissen, eine Antwort gehe "sich leider nicht aus, sorry". Die übrigen drei Blauen im EU-Parlament reagierten erst gar nicht auf die Anfrage. Auch von Walter Rauch, Umweltsprecher der Freiheitlichen im Nationalrat, war keine Stellungnahme zu bekommen.

Vielleicht ist das Parlament auch gar nicht der richtige Ort, um Antworten auf diese Frage zu finden. Vielleicht lohnt es mehr, über den Atlantik zu blicken, in die 3939 North Wilke Road in Arlington Heights im US-Bundesstaat Illinois zu schauen, eine Kleinstadt beim Lake Michigan, etwa eine Autostunde von Chicago entfernt. In der North Wilke Road sind die grünen Hecken ordentlich gestutzt und die Straßen sauber gekehrt. Vor Haus 3939 ist ein Parkplatz mit Bäumen, daneben ein grünes Schild mit einem Blatt und der Aufschrift "Heartland Institute". Hier sitzt einer der einflussreichsten Thinktanks der Konservativen in den USA. Und eines der wichtigsten Zentren jener global organisierten Szene, die den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel leugnet. Es ist dieselbe Strategie, derer sich zuvor die Tabakindustrie bediente. Auch ihr gelang es jahrzehntelang, Zweifel daran zu säen, wie gefährlich Rauchen tatsächlich ist. Das Argument lautete damals wie heute: Man wisse noch nicht genug. Es könnten auch andere Faktoren schuld sein. Die Wissenschaft sei sich nicht einig.

Schon 1998 schrieb das American Petroleum Institute, die größte Öl-und Gas-Lobbyorganisation, der unter anderem Ölriesen wie ExxonMobil, British Petrol, Shell und Chevron angehörten, in einem internen Memorandum von einer "Kampagne, um einen Stamm von Wissenschaftlern zu rekrutieren, die die Ansichten der Industrie zum Klimawandel teilen, und sie in Public Relations auszubilden". So könnten diese Wissenschaftler Politiker und Öffentlichkeit überzeugen, dass die Risiken eines Klimawandels nicht so schlimm seien.

Als sich im November 2018 Politiker aus aller Welt im polnischen Katowice trafen, um bei der UN-Klimakonferenz die Welt vor einer gefährlichen Erwärmung zu retten, reisten auch Vertreter von Heartland in die polnische Bergarbeiterkleinstadt. Dort präsentierte das Institut, das zahlreiche Spenden aus der Industrie erhält, seine neuesten Klimaberichte. Neue Daten und Berichte würden belegen, dass die Menschen nicht der Grund für die globale Erwärmung seien, stand in der Presseaussendung von Heartland.

Das Institut ist in den USA aktiv, hat dort zuerst gegen die Klimaschutzpolitik des vorigen US-Präsidenten Barack Obama opponiert und nun die von Donald Trump eingeleitete Kehrtwende bejubelt. Der US-Präsident erklärte bald nach seiner Angelobung in einer Rede im Weißen Haus: "Wir haben den Krieg gegen die amerikanische Energie beendet, und wir haben den Krieg gegen die schöne, saubere Kohle beendet."

Worte, die den zahlreichen Spendern von Heartland gefallen, darunter die Brüder Charles und David Koch, die in der Ölund Chemieindustrie Milliarden verdienten. Viel Geld erhielt das Heartland Institute in der Vergangenheit auch von der Familie des Hedgefonds-Milliardärs Robert Mercer, eines der größten Wahlkampfspender von US-Präsident Trump.

Heartland streut seine Zweifel aber nicht nur in den USA, etwa indem das Institut ein Handbuch mit dem Titel "Warum sich Wissenschaftler über globale Erwärmung uneinig sind" an tausende amerikanische Lehrer verteilte. Oder indem es das NIPCC finanziert, das Nongovernmental International Panel on Climate Change, einen Zusammenschluss von Klimawandelleugnern, der öffentlich als wissenschaftliches Gegengewicht zum International Panel on Climate Change (IPCC), dem Uno-Weltklimarat, positioniert werden soll.

Heartland und ähnliche Institute sind längst auch in Europa aktiv -schließlich gibt es gerade in der Europäischen Union die Übereinkunft, das Weltklima durch eine radikale Senkung des CO2-Ausstoßes zu retten.

Etwa zur der Zeit, als die Lobbyisten aus Übersee nach Europa übersetzten, änderte sich auch die Klimapolitik der Freiheitlichen. Noch im Oktober 2007 forderte der damalige FPÖ-Umweltsprecher Norbert Hofer, die Klimawandel-Doku "Eine unbequeme Wahrheit" des US-Demokraten Al Gore in allen österreichischen Schulen zu zeigen.

Nur drei Jahre später sagte der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Gerhard Deimek, der vom Menschen verursachte Klimawandel sei lediglich eine Theorie. Auch der oberösterreichische FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner versprach, seine Partei werde "gegen diese wirtschaftsfeindliche und unsoziale Klimahysterie ankämpfen".

In Österreich ist das Heartland Institute seit einiger Zeit regelmäßiger Gast in einem kleinen Salon in der Wiener Innenstadt, gleich hinter dem Stephansdom.

In dem sogenannten Hayek-Saal in der Grünangergasse, benannt nach Friedrich von Hayek, einem österreichischen Ökonomen und Vordenker des Neoliberalismus, lud das Hayek-Institut vor einigen Jahren Fred Singer zu einem Vortrag. Singer ist ein US-Atmosphärenphysiker und eines der bekanntesten Gesichter der Klimawandelleugnerszene.

Als "ersten und berühmtesten Wissenschaftler, der öffentlich gegen den Erderwärmungsalarmismus aufgetreten ist", lobt das Heartland Institute seinen Experten. Bei seinem Vortrag in Wien bezeichnete Singer den Versuch von Staaten, die CO2-Emissionen zu verringern, als Wunsch, die "absolute Kontrolle" über jegliches Wirtschaftstreiben zu haben.

In Deutschland ist Singer wiederum gerngesehener Vortragender im Europäischen Institut für Energie &Klima (EIKE) mit Sitz im Städtchen Jena. Das "Institut" mit dem Slogan "Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit" ist kein Wissenschaftsbetrieb, sondern ein kleiner Verein, der die deutschsprachigen Klimawandelleugner vereint. Und der ausgezeichnete Kontakte zur rechtspopulistischen AfD hat. EIKE-Vizepräsident Michael Limburg ist Mitarbeiter des AfD-Bundestagsabgeordneten Karsten Hilse. Und dieser meint, Klimaschutz sei ein "Irrsinn" und eine "Doktrin, für die Hunderte von Milliarden Euro nutzlos ausgegeben werden".

In Wien hört man in der FPÖ-Denkfabrik ähnliche Gedanken. Das Hayek-Institut ist die neoliberale Speerspitze der FPÖ. Die Institutsdirektorin Barbara Kolm war selbst freiheitliche Gemeinderätin in Innsbruck und ist heute eine enge Beraterin von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Als "eiserne Lady" des FPÖ-Chefs bezeichnete die Schweizer Weltwoche sie im Oktober. Ihr Institut ist als "Forschungs-und Lehreinrichtung" vom Finanzministerium spendenbegünstigt.

Bei den Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ war Kolm im FPÖ-Team für Finanzen und Steuern zuständig. Sie ist regelmäßig auf Vortragsreisen in den USA und pflegt gute Kontakte zur konservativen Tea Party. Im Bundespräsidentschaftswahlkampf 2016 erklärte der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer, er werde sich von Kolm in der Hofburg in wirtschaftlichen Fragen beraten lassen.

Seit die FPÖ in der Regierung ist, rückte Kolm in den Aufsichtsrat der ÖBB auf und wurde auf Vorschlag der Freiheitlichen Vizepräsidentin der Österreichischen Nationalbank. Das von ihr geleitete Hayek-Institut beschäftigt sich vor allem mit Fragen der Steuerpolitik, der Europäischen Union und der Zurückdrängung staatlicher Regulierungen des Marktes.

"Das Klimathema ist definitiv nicht unser Topthema", sagt Kolm zum Falter. "Beim Klima ist das Heartland Institute sehr engagiert, aber wir machen dazu nicht so viel." Umso überraschender, dass das Hayek-Institut seit Jahren die internationale Elite der Klimawandelleugner nach Wien holt.

2017 war es Patrick Michaels, der auf Einladung von Kolm im Hayek-Saal über "Die falschen Schlussfolgerungen der Politik aus der Wissenschaft -Klimawandel und andere Beispiele" referierte. Michaels ist Klimatologe und Autor des Buches "Die satanischen Gase".

2009 hatte Michaels mit seiner Aussage vor dem US-Kongress massiven Anteil daran, dass das sogenannte Waxman-Gesetz, ein zentrales Klimaschutzgesetz der Obama-Administration, zu Fall gebracht wurde. "Später gab Michaels in einem CNN-Interview zu, dass vierzig Prozent seiner Gelder aus Industriequellen stammen", berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung damals.

2011 lud Kolm den Amerikaner Richard Rahn nach Wien, wo dieser mit der freiheitlichen EU-Abgeordneten Barbara Kappel auftrat. Der US-Ökonom war zuvor Direktor eines Thinktanks gewesen, der mehr als 1,6 Millionen Dollar vom US-Ölmulti ExxonMobil erhalten hatte. Noch 2015 schrieb Rahn in einem Artikel: "Das Klima ändert sich, aber die Richtung und das Ausmaß sind immer noch eine Quelle der Auseinandersetzung."

Michaels und Rahn arbeiten beide für einen konservativen US-Thinktank, zu dem das FPÖ-nahe Hayek-Institut enge Verbindungen hat. Das Cato Institute mit Sitz in Washington wurde mit dem Geld des amerikanischen Öl-und Chemieindustriellen Charles Koch gegründet. Koch Industries gehören bis heute Ölraffinerien, Pipelines, Chemiefabriken und Ranches in den USA. David Koch, einer der beiden Söhne des Gründers, sitzt im Vorstand des Instituts.

Das Cato Institute lobbyiert für Steuersenkungen und gegen den Sozialstaat und argumentiert dagegen, dass der Mensch schuld sei am Klimawandel. Und dass dieser auch gar nicht so schlimm sei. 2005 schrieb Rahn in der Washinton Times, dass die Erderwärmung gut für den Menschen sein werde, weil es mehr Regen, mehr Vegetation, weniger Krankheiten, leichtere Reisemöglichkeiten und mehr Outdoor-Sport geben werde.

Ähnlich klingt ein Artikel, den das Hayek-Institut vorigen Sommer veröffentlichte, als gerade eine massive Hitzewelle Österreich lähmte und das Land über die Auswirkungen des Klimawandels diskutierte. In dem auf seiner Homepage veröffentlichten Beitrag war zu lesen, dass nur der Kapitalismus und der freie Markt uns das Leben in der Hitze erträglich machen würden: "Mit seinem iPhone kann man derweil seine Bekannten anrufen und sich zusammen im Schwimmbad oder im eigenen Swimmingpool erfrischen."

Institutschefin Kolm war wiederum 2012 in der deutschen Wochenzeitung Die Zeit mit der Aussage zitiert worden, sie halte den Klimawandel für "Panikmache". Damals war Kolm gerade mit dem früheren tschechischen Präsidenten Václav Klaus in Prag, der Umweltschutz als eine "gefährliche Religion" bezeichnet und den Klimawandel als einen "Mythos".

Auch Präsident Klaus war als offi zieller Gast bei der FPÖ-Netzwerkerin Kolm. "Klimawandel -politisches Instrument oder echte Bedrohung?" lautete der Titel des Vortrags, den er im Oktober 2007 im Hayek-Institut hielt. Fast zehn Jahre später holte der heutige Verkehrsminister Norbert Hofer den Klimawandelleugner Klaus als Wahlkampfunterstützung in den Kursalon Hübner beim Stadtpark in Wien.

Das mit der Panikmache würde sie heute nicht so formulieren, sagt Hayek-Chefin Kolm. "Nicht der Klimawandel ist Panikmache, den wird doch niemand bestreiten", sagt Kolm. "Ich habe mit ,Panikmache' das Drumherum gemeint, wie über den Klimawandel diskutiert wird." Als Volksschulkind in Tirol sei sie in dem Glauben aufgewachsen, dass "wir alle irgendwann erfrieren werden, weil die Gletscher immer mehr wachsen. Da habe ich echt Angst gehabt." Heute gebe es "dieselbe Panikmacherei, aber eben in die andere Richtung". Es brauche technische Lösungen, um mit dem Klimawandel zurechtzukommen.

Kolm ist nicht nur Präsidentin des Hayek-Instituts, sie ist auch Direktorin des Austrian Economics Center. Mit diesem veranstaltet sie seit einigen Jahren "Free Market Roadshows" in Europa und den USA, die immer wieder auch an der Universität Wien Station machen. Im Mai 2011 war Richard Rahn vom Cato Institute dabei, ein Ökonom, der meint, hätte ein Student ihm den Kioto-Vertrag, das 1997 geschlossene internationale Klimaschutzabkommen, als Lösungsansatz vorgelegt, hätte er ein Nicht genügend bekommen. Rahn war zuvor auch Vortragender auf der ersten Klimaleugnerkonferenz, zu der das Heartland Institute 2008 ins Marriott Hotel in New York einlud.

Diese Konferenzen, auf der die Crème de la Crème der internationalen Leugner der von der Menschheit angeheizten Erderwärmung auftritt, wurden in der Vergangenheit auch von den FPÖ-Vorfeldorganisationen Hayek-Institut und Austrian Economics Forum mitfinanziert. Zumindest in den Jahren 2009,2010 und 2012 traten sie als Sponsoren oder Co-Sponsoren dieser Heartland-Konferenzen auf. "Globale Erwärmung - war es jemals wirklich eine Krise?" lautete 2009 der Titel der Konferenz, "The problem is NATURAL Climate Change, Stupid!" einer der Konferenzbeiträge.

Die Freiheitliche Kolm machte wiederum mehrmals Station in der Heartland-Zentrale in Arlington Heights. 2016 lobte sie in ihrer Rede dort Heartland für dessen Relevanz beim Thema Klimawandel. Heartland habe dieses Thema nach Europa gebracht "und hilft den europäischen Thinktanks, den Krieg gegen diese Angstmacher zu kämpfen".

Wie dieser Kampf gegen die "Angstmacher"

aussieht, bewies Heartland am "Internationalen Tag des Eisbären". Da verkündete Heartland: "Den Eisbären geht es gut, trotz der Angst vor dem Klimawandel." Die Zahl der weißen Bären sei sogar im Steigen.

2017 trat Kolm wieder im Heartland-Hauptquartier auf. Diesmal schimpfte sie über die EU. Die Brüsseler Bürokraten würden in einer Blase leben, würden "Migranten nur als Wähler sehen", zitiert die HayekChefin und heutige Nationalbank-Vizegeneralin die Lokalzeitung Illinois Review.

Kolm erklärte, ihr Optimismus, dass die Europäische Union überleben werde, sei äußerst gering. "Die Masse der muslimischen Migranten wird im Laufe der Zeit die demografische Struktur Europas zu einer muslimischen Kultur verändern", sagte Kolm zur Illinois Review. "Dieses Zitat muss man in dem Kontext sehen, dass 2017 das Migrationsthema auf dem Höhepunkt war", sagt Kolm heute dazu. "Außerdem gibt es jetzt auch Wissenschaftler, die vor einer Islamisierung in Europa warnen. Nicht Muslime seien das Problem, meint Kolm dazu, sondern die Tendenz, den persönlichen Glauben zur öffentlichen Angelegenheit zu machen.

Wieso ihr Institut Klimaleugnerkonferenzen in den USA unterstützt hat, könne sie nicht beantworten. Die Unterstützung sei jedenfalls nicht über Ankündigung und Berichterstattung hinausgegangen.

Und sie habe auch niemals Geld von Heartland, Cato oder auch der Heritage Foundation erhalten. Mit diesem konservativen Thinktank, der auch den Klimawandel anzweifelt, hat Kolm bis vor einigen Jahren ebenfalls zusammengearbeitet.

Dass ihr Hayek-Institut seit Jahren ausgewiesene Klimawandelleugner einlade, begründet sie mit Meinungspluralismus. "Ein Experte wie Fred Singer kommt zu uns, weil wir gerne einmal eine andere Meinung hören wollen", sagt Kolm.

Wieso lädt ihr Institut aber stets Klimawandelleugner ein?"Wir haben auch Leute von Greenpeace eingeladen", sagt Kolm, "aber die waren über unsere Einladung nicht sehr erfreut und haben abgesagt."

Bei Greenpeace weiß man davon nichts. "Bei uns ist nie eine Anfrage für eine Diskussion im Hayek-Institut angekommen", heißt es. Mit der Klimapolitik der FPÖ beschäftigt sich Greenpeace aber seit langem: "Wenn man sich die personellen Verflechtungen zwischen neoliberalen Denkfabriken und der FPÖ ansieht, wird schnell klar, für wen die Freiheitlichen Politik machen: für die großen Konzerne", sagt der Greenpeace-Klimaexperte Adam Pawloff. Da verwundere es nicht, dass die FPÖ im EU-Parlament gegen Klimaschutz, saubere Luft oder gentechnikfreie Lebensmittel stimmt "und damit die Macht von Konzernen weiter einzementiert".

Dieser Artikel entstand im Rahmen des Recherchenetzwerks Europe's Far Right, dem neben dem Falter auch taz (Deutschland), Libération (Frankreich), Gazeta Wyborcza (Polen), HVG (Ungarn), Internazionale (Italien) und WOZ (Schweiz) angehören

Klimawandelleugner und Neoliberale: die wichtigsten Institute

Heritage Foundation zählt zu den einflussreichsten konservativen Denkfabriken der USA. Sie lehnt jegliche staatliche Klimaschutzmaßnahmen ab und freute sich 2017 über ein "kolossales Comeback" der Kohleindustrie. 2016 besuchte FPÖ-Chef Strache die Heritage Foundation

Heartland Institute ist ein rechtskonservativer US-Thinktank, der früher als Lobbyist der Tabakindustrie aktiv war und heute als wesentlicher Player der Klimawandelleugner gilt. Heartland veranstaltet regelmäßig internationale Klimaleugnerkonferenzen, die zum Teil vom Hayek-Institut mitfinanziert werden

Cato Institute ist ein neoliberaler US-Thinktank, der von der Industriellenfamilie Koch gegründet wurde und sich auch durch Industriespenden finanziert. Cato zweifelt den Anteil des Menschen am Klimawandel offen an. Experten von Cato treten regelmäßig im Hayek-Institut und beim Austrian Economics Center auf

CFACT ist die Abkürzung für Committee for a Constructive Tomorrow, eine Klimawandelleugner-Lobbyorganisation aus den USA, die staatliche Eingriffe in die Umwelt als Einschränkung unternehmerischer Freiheit ablehnt. CFACT Europe ist die Klimaleugner-Filiale für Europa, die eng mit EIKE kooperiert

EIKE steht für Europäisches Zentrum für Klima & Energie, das Zentrum der Klimawandelleugner in Deutschland. Der kleine Verein hat enge Kontakte zur rechtspopulistischen AfD in Deutschland und organisiert Klimaleugnerkonferenzen. Unterstützt wird EIKE von CFACT und Heartland

Hayek-Institut ist ein FPÖnaher neoliberaler Thinktank in Wien. Das Institut lud regelmäßig international bekannte Leugner des vom Menschen verursachten Klimawandels zu wissenschaftlichen Vorträgen ein und trat als Co-Sponsor von Klimaleugnerkonferenzen von Heartland auf

Austrian Economics Center (AEC) ist die Schwesterorganisation des Hayek-Instituts. Das AEC veranstaltet "Free Market Roadshows" in Europa und den USA, wo es Verbindungen zu Cato und Heartland gibt. 2010 unterstützte das AEC eine Klimaleugnerkonferenz von Heartland in Chicago

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FALTER 21/19
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