Digitalia

IT-Kolumne


Anna Goldenberg

Medien | aus FALTER 10/19 vom 06.03.2019

Ich war 13 und die Welt fühlte sich gleichzeitig zu langweilig und zu gefährlich an. Das Internet bot sicheres Abenteuer. Eine Dreiviertelstunde surfte ich jeden Abend am PC meiner Eltern, bevor sie die Telefonleitung wieder für sich reklamierten. Besonders angetan hatte es mir die Website Lizzynet, ein deutsches soziales Netzwerk für Mädchen, 2000 gegründet. Es gab Foren, Chaträume und Artikel, und man konnte sich sogar eine einfache Homepage selbst basteln.

Der Umgangston war freundschaftlich, die Inhalte von Betreuerinnen streng moderiert. Ich unterhielt mich über Schulnoten, Hollywoodfilme, Burschen und Weltfrieden. Mit einem gleichaltrigen Mädchen aus dem Ruhrgebiet begann ich eine E-Mail-Freundschaft. Sie war mutiger als ich und kam mich in den Schulferien besuchen. "Wir kennen uns aus dem Internet" erntete 2005 seltsame Blicke. Unsere Welten wuchsen mit uns, es folgten MSN Messenger, Facebook, Whatsapp. Vergangenes Wochenende saßen wir auf dem Sofa und sahen uns an, was aus Lizzynet geworden war. Die Website schien in die Jahre gekommen. So wie wir.

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FALTER 16/19
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