Am Apparat Telefonkolumne

Was soll ein Tierschutz-Begehren bringen, Herr Bohrn Mena?


Anruf: Gerlinde Pölsler

Politik | aus FALTER 10/19 vom 06.03.2019

Weniger Tiertransporte, kein Töten männlicher Küken mehr, ein Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration: Das geplante Tierschutz-Volksbegehren fordert eine "tier-und umweltgerechte Landwirtschaft". Vergangene Woche stellten Sebastian Bohrn Mena (ehemals SPÖ und Liste Pilz) und seine Mitstreiter ihr geplantes Volksbegehren für die Tiere der Öffentlichkeit vor.

Sie sagen, manche Ihrer Forderungen gingen einigen zu weit, für andere seien sie nicht radikal genug. Was zum Beispiel, Herr Bohrn Mena?

Manche hofften, wir würden uns für Fleischverzicht aussprechen und Veganismus als Zukunftsmodell propagieren. Das tun wir nicht, auch wenn viele von uns vegetarisch oder vegan leben. Das ist ein Volksbegehren und kein Nischenbegehren. 90 Prozent der Bevölkerung sind nicht bereit, auf das Schnitzel zu verzichten, aber sie wollen, dass das Tier, von dem das Schnitzel stammt, besser behandelt wird. Genau darum geht's uns.

Der Bauernbund hat bereits scharf gegen Sie geschossen. Und der Landwirtschaftskammer-Generalsekretär Ferdinand Lembacher sagt, man sei natürlich fürs Tierwohl, aber: "Der Bauer muss auch wirtschaften können, und das im internationalen Wettbewerb."

Wichtig ist: Wir sind ein Pro-Bauern-Volksbegehren. Genau darauf, dass die heimischen Bauern von Billigimporten überrollt werden, reagieren wir. Mehr als 200 Millionen Käfigeier werden jährlich in Österreich konsumiert, obwohl Käfighaltung bei uns verboten ist. Der Bauer im Gailtal geht ein, während die Kinder in der Schule nebenan polnische Pute essen. Das ist verrückt.

Und wie wollen Sie das ändern?

Indem etwa in Österreich keine Produkte mehr verkauft werden dürfen, deren Produktion hier verboten ist - wie zum Beispiel Käfigeier. Außerdem durch mehr Transparenz für die Konsumenten: Es ist absurd, dass die Leute glauben, sie äßen ein österreichisches Schnitzel, dabei kommt das Fleisch aus der Ukraine. Und indem jene Bauern mehr Förderung bekommen, die das Tierwohl fördern.

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FALTER 17/19
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