Ohren auf Pop und Hip-Hop

So leicht kann Popmusik 2019 klingen


Sebastian Fasthuber

Feuilleton | aus FALTER 11/19 vom 13.03.2019

Everybody should know that I'm king now, yeah!", rappte die Britin Little Simz auf ihrem Debütalbum 2015 selbstbewusst. Mit ihrem neuen Solowerk "Grey Area"(Kobalt) setzt sich die 25-Jährige, die bürgerlich auf den Namen Simbiatu Ajikawo hört, nun endgültig die Krone auf. Es ist eines der lässigsten Hip-Hop-Alben der letzten Jahre. Warum? Weil Rap und Pop, No-Bullshit-Hop und eingängige Samples hier aufs Schönste zusammenfinden, wie es nur ganz selten gelingt - ohne Tralala und erzwungene große Refrains, ohne Anbiederung an aktuelle Sounds und die Trap-Welle im Hip-Hop. Little Simz hat schlicht gute Beats, einen großartigen Flow und eine raue Stimme, der zuzuhören nie langweilig wird. Erinnert an die alten De La Soul und Artverwandtes.

Auch der Sänger und Produzent Chaz Bundick, besser bekannt als Toro Y Moi, hat erkannt, dass gute Dinge passieren können, wenn man Musik nicht zerdenkt und es im Studio einfach fließen lässt. Sonst hätte er in zehn Jahren nicht ganze acht Alben auf den Markt geworfen. Das Genre "Chillwave", zu dem er anfangs gezählt wurde, hat er mittlerweile überlebt. "Outer Peace" (Carpark) ist eine frühlingshafte Platte, die zwischen Synth-Pop, House, R&B und blauäugigem Soul Marke Hall & Oates tänzelt. Diese Musik nimmt sich selbst nicht zu ernst.

Das gilt wohl auch für den französischen DJ und Produzenten, der sich Gesaffelstein nennt. Mit Remixes für Lana Del Rey und Produktionen für Kanye West wurde er in den Pop-Mainstream gespült. Seinem eigenen Werk "Hyperion"(Sony) ist der Druck, sich dort nun zu behaupten, nicht anzumerken. Gesaffelstein macht, was er will: psychedelische Synthesizer-Etüden oder Instrumental-Hip-Hop mit einem Sound, der an antike Videospiele erinnert. Dann und wann dürfen Stars wie The Weekend oder Pharrell Williams ihre Stimmen auf Songs hinterlassen, und auch das stört nicht.

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FALTER 16/19
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