Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die beste Zeitreise der Welt der Woche


Stefanie Panzenböck

Feuilleton, FALTER 12/19 vom 20.03.2019

Guten Abend, meine Damen und Herren. Bevor wir Sie heute in acht neuen Fällen um Ihre Aufmerksamkeit bitten, zunächst wieder ein kurzer Rückblick auf die Ergebnisse der letzten Sendung." So oder so ähnlich begrüßte Moderator Eduard Zimmermann von 1967 bis 1997 das Publikum der Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" aus dem Münchner Studio. Immer im selben gesetzten, seriösen Tonfall, in Anzug und Krawatte, den Oberkörper leicht nach vorne gebeugt, um der Angelegenheit die notwendige Dringlichkeit zu verleihen. Schließlich war man auf der Suche nach Tätern, die schwere Verbrechen begangen hatten, und hoffte auf die Mithilfe der vielen Zuschauer. Zimmermanns Kollegen, Konrad Toenz in Zürich und Peter Nidetzky in Wien, taten es ihm in ihren ernsten Auftritten gleich.

Heute, dem Internet sei Dank, kann man einige Folgen wieder anschauen. Selbstverständlich vollkommen zweckbefreit. Denn entweder wurden die Täter verurteilt und sind mittlerweile wieder frei oder -und das sind gar nicht so wenige Fälle, wie ein Blick in die digitalen Suchmaschinen zeigt - wurden nie ausgeforscht. Durch die kurzen, eingespielten Filme, in denen der Ablauf der Verbrechen für das Publikum nachgestellt wurde, bekam man Einblick in Lebensgewohnheiten und Freizeitgestaltung der 70er oder erlebte die Suche nach den RAF-Terroristen, die viele Sendungen beherrschte. Alte "XY"-Folgen dienen zum Geschichtsunterricht und als Sozialstudie. Sie erzählen von einer Zeit, die uns nahe ist, aber in diesem Rahmen fremd erscheint.

Manchmal auch nicht. Gleich in der ersten Ausgabe erklärte Zimmermann, wie die Zuschauer Fahndungsfotos von ihrem Fernsehbildschirm abfotografieren können, sollte ihnen einer der Gesuchten über den Weg laufen. Der Screenshot war geboren.

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FALTER 21/19
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