Augenblick Wiener Momente

Mittwochabend im 57A

TR | Stadtleben | aus FALTER 12/19 vom 20.03.2019

"Keine Angst, i hob des im Griff. I bin a Bundesheerler." Er ist breit wie ein Schrank. Armeestiefel. Camouflagejacke. Ein "Don't mess with me"-Auftreten. "I bin a Bundesheerler", wiederholt er, "des hod der glei kapiert. Der hätt bei uns ka Stund übalebt. Jetzt is er oba eh draußdn." Der "draußdn" ist bezirksbekannt. Trat auch hier schon auf: ein junger, psychisch kranker Obdachloser, der spuckend, urinierend, sich entblößend durchs Grätzel zieht. Alle paar Wochen verschwindet er kurz in einer Einrichtung -und spuckt, speibt, pisst dann weiter. Als er im Bus zu spucken beginnt, stampert ihn der "Bundesheerler" (berührungslos) raus. "Wieso kommt der immer wieder?", stöhnt eine Frau. Ein Mann antwortet: "Man kann Menschen nicht einfach so für immer wegsperren. Zum Glück." Der Schrank dreht sich um: "No ned. Oba boid. Und darauf gfrei i mi."

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FALTER 16/19
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