Ohren auf Klassik

Die Geige mit dem Cello, in wilder Archaik vereint


Miriam Damev

Feuilleton | aus FALTER 12/19 vom 20.03.2019

Der amerikanische Komponist George Antheil ist der Bad Boy der Klassik. 1923 beschrieb er seine Vorstellung von Kunst: "Ich möchte die Musik hart wie Stein machen und mit den Grundpfeilern anfangen, wo die Musik noch fundamental und unzerstörbar ist." Antheil scherte sich nicht um musikalische Formen und sorgte mit seinen Werken immer wieder für klingende Eklats. Zu seinem Opus, das Kammermusik ebenso umfasst wie Orchestrales, Opern und Filmmusik, zählen auch einige Werke für Violine, die Alessandro Fagiuoli nun in ihrer Gesamtheit einspielt. Teil eins, die "Violin Sonatas"(Avi), ist nun erschienen, mit den Sonaten für Violine und Klavier (grandios: Alessia Toffanin) - wilde, archaische und ungezähmte Musik, die nur so dahinpeitscht, um sich dann in Kantilenen aufzulösen.

Eine spannende Verbindung schaffen die Geigerin Franziska Pietsch und der Pianist Josu de Solaun auf ihrer "Shostakovich/Strauss"-CD (audite). Der 23-jährige Komponist Richard Strauss schrieb mit seiner Violinsonate ein berauschendes Stück Spätromantik, das mit seiner Virtuosität, seiner melodischen Intensität und seinem Spiel mit den Klangfarben alle bisherigen Grenzen sprengte. Ganz anders die Stimmung bei Schostakowitschs Violinsonate von 1968. Statt Fülle und Opulenz machen sich hier Trostlosigkeit, Leere und radikale Schmucklosigkeit breit, alles klingt dunkel, schroff und unheimlich. Erschütternd direkte Musik, die sich in der Interpretation von Pietsch und Solaun durch Mark und Bein bohrt.

Ganz versöhnlich klingt Nikolai Miaskovskis selten gespielte Sonate für Cello und Klavier, die der junge Cellist Bruno Philippe und der Pianist Jérôme Ducros auf ihrem Album "Sonatas for Cello and Ciano"(HM) mit Sergej Rachmaninows Cellosonate op. 19 kombinieren. Ein feines Album und eine schöne Würdigung eines leider weitgehend unbekannten Komponisten.

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FALTER 16/19
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