Ein Platz an der Sonne

Das Hotel Sofitel Vienna hat jetzt eine sehr, sehr helle Bar


Lokalkritik: Florian Holzer

Stadtleben, FALTER 13/19 vom 27.03.2019


Foto: Heribert Corn

Es lief von Anfang an nicht so ganz rund mit der Gastronomie im Sofitel. Auf das Restaurant Le Loft im 18. Stock des Nouvel-Towers mit der Rundumverglasung und dem Pipilotti-Rist-Plafond war man 2010 sehr gespannt. Es stellte sich aber bald heraus, dass der Ausblick das Beste an dem Lokal war. Das Konzept, sich hier von einem jungen Küchenchef eine vom Starkoch Antoine Westermann in Paris konzipierte Speisekarte umsetzen zu lassen, scheiterte gründlich. Danach floppten noch diverse andere Konzepte mit anderen Köchen, gerade einmal die kurze Phase mit Fabian Günzel (heute Restaurant ænd) war spannend. Die Bar neben dem Hotel wäre an und für sich super, leider ist es allerdings sehr wahrscheinlich, am Lift von Securitys abgewiesen zu werden. Und das Café im Erdgeschoß fiel nicht umsonst nie auf.

Nun ist es aber einerseits so, dass Lokale unmittelbar neben dem Nouvel-Tower brummen wie Sau, Mochi sei hier nur genannt, Ansari oder die Spelunke. Und offenbar dachten sich da die Sofitel-Manager in Paris, dass man an dieser Frequenz doch partizipieren können müsste. Weshalb das Café ein etwas anderes Design bekam, eine eigene Snack-Speisekarte, den neuen Namen Bar/Terre (Bar und Parterre, haha, genial!) und schließlich eine kleine Terrasse vor der Glaswand, von der man prächtig genau nach Süden rüber zum Schwedenplatz und außerdem ins glühende Zentrum der Sonne blinzeln kann.

Eh super, das will man jetzt, finster und grau war’s schließlich lange genug. Vielleicht hat man aus diesem Grund auch die Tischchen im Inneren der Bar/Terre verspiegelt, sodass einen die Sonne nicht nur durch die hohe Glasfront blendet, sondern vom Tisch rauf ein zweites Mal auch noch. Und vielleicht macht man von Montag bis Donnerstag deshalb nur Tagesgeschäft, und zwar konsequent: Um 19.05 bekommt man in dem um 20 Uhr schließenden Lokal nicht einmal mehr etwas zu trinken. Aber okay, wer rechtzeitig da ist, kann „regionale Gaumenspiele, die nach Heimat schmecken“, und „internationale Food-Kreationen“ bekommen. Pastrami-Sandwich zum Beispiel oder Kabanossi. Die mit Schale im Rohr gegarten sechs Stückchen Erdäpfel mit Sauerrahmcreme und kleinen Stückchen schmelzenden Bergkäses fallen wahrscheinlich in die Kategorie „regionale Gaumenspiele“, sind auch wirklich nicht schlecht, mit neun Euro aber halt wirklich keck bepreist. Die Wraps mit Hühnersalat unterscheiden sich bis auf die Präsentation auf hölzernen Sushitellern und ein paar geröstete Haselnüsse in der Füllung nicht wirklich von denen, die man in Bäckereiketten-Filialen bekommt (€ 12,–), der Espresso geht so und ist mit 3,70 Euro auch fast eine Mezzie. Komisches Konzept, muss man sagen. Wurde das von internationalen Spezialisten um ordentlich viel Geld ausgetüftelt? Glaubt man, dass das ein Renner wird? Na vielleicht.

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