Neue Bücher Kurze Formen


SEBASTIAN FASTHUBER

Feuilleton, FALTER 14/19 vom 03.04.2019

Als der Wiener Autor Xaver Bayer um 2000 zu publizieren begann, trat er als hiesiger Popliterat in Erscheinung. Davon hat er sich mit späteren Büchern sehr bald schreibend distanziert und auch emanzipiert. Mittlerweile kann man in ihm schon eher eine aus der Zeit gefallene Dichterexistenz erkennen, die mehr mit Peter Handke gemeinsam hat als mit Benjamin von Stuckrad-Barre oder Rainald Goetz.

In seinem jüngsten Buch, das sehr kurze Texte von ein, zwei Seiten versammelt, spielt Bayer eine seiner großen Stärken aus. Er ist ein Meister darin, die Realität mittels winziger Verschiebungen ins Absurde und das Alltägliche in Irrsinn kippen zu lassen. "Wildpark" folgt dabei oft einer Art Traumlogik: "Dir ist mit einem Mal, als ob deine Träume sich kurz mit ihren Tentakeln ins Wachsein vorgewagt hätten." Sprachlich ist das ein Fest und Bayers Prosa eine verdammt poetische.

Martin Amanshauser ist der Sohn des 2006 verstorbenen Salzburger Schriftstellers Gerhard Amanshauser. Kurzzeitig wollte er aus Protest gegen die Verachtung, die sein Vater Journalisten entgegenbrachte, Journalist werden, er wurde aber doch Schriftsteller und Übersetzer. Sein eigenes Werk zerfällt in drei Bereiche: Reiseberichte, Romane und Gedichte. Manchmal greifen sie auch ineinander, "Kein Roman vom armen M.A." heißt ein Text in seinem neuen Gedichtband. Der arme Amanshauser dichtet lieber: "Dabei bezahlen sie mir den Roman besser als das Gedicht."

Er ist ein Kuriosum der heimischen Literatur, denn er schreibt witzige Gedichte, was schon selten vorkommt. Noch rarer: Die wenigsten Texte sind auf Pointen hingeschrieben - und wenn, dann richten sich diese gegen den Verfasser. Auch die überraschenden Bilder und Vergleiche machen Spaß: "gefühle sind wie umsatzsteuer -tu sie weg." SF

Xaver Bayer: Wildpark. Edition Korrespondenzen, 140 S., € 19,-

Lesung: Schauspielhaus Nachbarhaus, 9.4., 20 Uhr

Martin Amanshauser: Es ist unangenehm im Sonnensystem. Kremayr & Scheriau, 176 S., € 19,90

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FALTER 21/19
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