Zeit am Schirm

TV-Kolumne


Matthias Dusini

Medien, FALTER 15/19 vom 10.04.2019

Heidi Klum hatte kein Foto für Melissa aus Rosenheim, die 23-jährige Kandidatin von Germany 's Next Topmodel. "Leider schaffst du es nicht, deine Personality nach vorne zu pushen", urteilte Klum. Von Anfang an war das Model aufgefallen, durch einen coolen Look und tiefe Einsichten. "In der Mode ist alles Ausdruck und nichts Aussage", brachte sie den Formalismus von Fashion auf den Punkt. Auch beim Abschied unter Tränen gab sie bemerkenswerte Dinge über GNTM von sich: "Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, eine Heimat zu haben."

Die Kritik an GNTM füllt inzwischen ganze Dissertationen. Die Vorwürfe reichen von Bodyshaming bis zur Propagierung eines anorektischen Körperbilds. Heidi Klum gilt als Feindbild, da sie die Sehnsüchte von Mädchen für kommerzielle Zwecke missbraucht. Dennoch gibt es Frauen wie Melissa, die die totale Fremdbestimmung als beglückend empfinden. Der Ort der ritualisierten Entfremdung verspricht Identität und Zugehörigkeit. Melissas Botschaft: Heimat ist nichts Angeborenes, sondern etwas Imaginiertes.

Fanden Sie diesen Artikel interessant? Dann abonnieren Sie jetzt und bleiben Sie mit unserem Newsletter immer informiert.

FALTER 21/19
Bitte liken Sie den FALTER auf Facebook:
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Anzeige

Anzeige