Am Apparat Telefonkolumne

Wieso spielen Sie im Karl-Marx-Hof, Herr Intendant?


Interview: Eva Konzett

Politik, FALTER 15/19 vom 10.04.2019

Sie geben Konzerte in den renommiertesten Konzertsälen der Welt. Und jetzt auch im Gemeindebau. Ende Juni werden die Wiener Symphoniker ihre Instrumente und Noten im Park des Karl-Marx-Hofes auspacken. Vor der Skulptur "der Sämann", der Freiheit, Fürsorge, Aufklärung und Körperkultur beäugt, wird Kunst am Gemeindebau in musikalischer Variante geboten. Warum? Wir erreichen den Intendanten der Symphoniker, Johannes Neubert, am Flughafen auf dem Weg zu einer Deutschlandtournee.

Herr Neubert, was machen die Symphoniker im Gemeindebau?

Wir wollen dahin gehen, wo die Menschen leben. Das ist eine Erweiterung unserer Grätzl-Konzerte, wie wir sie seit Anfang 2018 veranstalten. So haben wir beispielsweise die Ankerbrotfabrik bespielt. Im Karl-Marx-Hof spielen wir anlässlich des 100. Geburtstags des Wiener Gemeindebaus.

Weil die Menschen nicht mehr zur Hochkultur kommen, muss die Hochkultur jetzt zu den Menschen gehen?

Es geht darum, von der Zentralisierung auf die Innenstadt wegzukommen. Wien wächst rasant. Favoriten allein wäre nach der Zahl der Einwohner wohl die zweitgrößte Gemeinde Österreichs. Man muss entsprechend Infrastruktur aufbauen. Und da gehört Kultur dazu.

Logistisch ist das nicht immer ganz einfach, oder?

Bei einem Open Air wie im Karl-Marx-Hof muss man wirklich alles mitbringen und hinstellen: die Notenpulte, die Stühle, die Bühne. Logistisch gesehen ist das wie eine kleine Tournee. Das ist auch akustisch eine Herausforderung. Ohne Dach als Schallmuschel hören die Musiker einander nicht gut.

Warum haben Sie Sergei Prokofjews "Peter und der Wolf" als Stück gewählt?

Das Fest ist als Familienfest konzipiert und findet am Nachmittag statt. Da passt dieser Klassiker des Kinder-und Jugendkonzertes gut. Bei den Grätzl-Konzerten spielen wir aber unser normales Repertoire quer durch die Orchesterliteratur.

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FALTER 25/19
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