Dann waren sie einfach weg

Die große Flucht 2015 hat tausende Familien auseinandergerissen. Das Rote Kreuz versucht, Vermisste zu finden


Reportage: Sibylle Hamann

Politik, FALTER 15/19 vom 10.04.2019

Keine Sorge", sagte der Schlepper, "es dauert nur zehn Minuten, dann seid ihr alle wieder zusammen." Aber da hatte Aman Hejraan schon ein schlechtes Gefühl. Er wollte nicht mit der ersten Gruppe losgehen, getrennt von seiner Mutter, seinen vier Brüdern und der Schwester, die erst in einer der hinteren Gruppen nachkommen würden. Es sei nur ein Kilometer, dort vorn, das sei schon die Türkei, dort würden sich alle treffen, sagte der Schlepper. Und setzte nach: "Es ist gefährlich hier, ihr müsst tun, was wir euch sagen." Aman verstand: Einem Schlepper widerspricht man besser nicht.

Aman ging also los, um Mitternacht, gemeinsam mit zehn anderen Männern. Stockfinster war's, das war gut so, man durfte sie ja nicht sehen. Manchmal stolperten sie, aber sie bemühten sich, keine Geräusche zu machen. Kaum hatten sie es geschafft, raus aus iranischem, rüber in türkisches Territorium, gingen die Schüsse los. "Keine Sorge", sagte der Schlepper wieder, "das machen die türkischen Grenzer immer

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