Neue Bücher Gelungene Debüts

Feuilleton, FALTER 16/19 vom 17.04.2019

Der Held von "#scheissjahr" ist Mitte 20 und studiert ohne Perspektive Wirtschaft vor sich hin. "Dafür liebe ich die Mutter meiner Tochter wie am ersten Tag. Aber sie mich nicht. Haha. Lol." Am Rücken von David Hassbachs kleinformatigem Buch steht: "Spiegeltrinker-Bestseller". Der Untertitel lautet: "Eine kurze Erzählung über verlorene Liebe". Der Text pendelt zwischen Internet-Humor und dem durchaus ernsthaften Ansinnen, in zeitgemäß knapper Form etwas über Gefühle heute zu schreiben.

Der zukünftige arbeitslose Akademiker mit gebrochenem Herzen und selbstzerstörerischen Tendenzen führt eine Art Tagebuch, das von Facebook-Nachrichten an die Verflossene, Rückblenden auf die Beziehung und SMS von Mama unterbrochen wird. Selbst deren Gedanken sind vom Kapitalismus völlig verseucht: "Ich wünsche dir für 2016 viel Glück und Erfolg." Ein witziges Debüt, kurzweilig, aber nicht seicht. SEBASTIAN FASTHUBER

Martin Peichl, der lange die kurze Form bevorzugt hat und gern in Lokalen Gedichte auf Bierdeckel schreibt, konstruiert in seinem ersten Roman eine schlaue Erzählung über das Leben zweier Mittdreißiger. Der Protagonist befindet sich in einer komplizierten Beziehung mit seinem lyrischen Gegenüber. Lakonisch schildert er das Sterben des Vaters und das Erben eines Waldes an der niederösterreichischen Peripherie.

Peichls fast schon lyrische Prosa ("Ich müsste die Episoden nur ohne nostalgisches Pathos erzählen, ganz kühl und wie Pulverschnee müsste die Sprache sein") ist bildstark, nur selten klingt sie gar zu abgeklärt. Politisch wird es manchmal auch: In "Österreich sind Babykatzen die heiligsten aller Tiere". Das Land unterliege einem "Triest-Komplex":"Wir wollen einen Meerzugang, um ihn dann gleich wieder zu schließen." Ein dichtes Debüt, das inhaltlich für zwei Romane gereicht hätte. DM

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FALTER 21/19
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