Das Mädchen mit den blutigen Füßen

Am Opernball applaudierte ihr der Bundespräsident. An der Staatsoper wurde sie gedemütigt und verletzt. Eine junge Elevin erzählt


Begegnung: Florian Klenk

Feuilleton, FALTER 16/19 vom 17.04.2019


Foto: Kathrin Herget Photography

Drei Minuten und 43 Sekunden. Wie lange hatte Sophie H. für diesen Auftritt am Opernball 2018 trainiert. Es gibt noch ein ORF-Video davon, auf ihrem Handy hat sie es gespeichert, nur ein paar Wischer entfernt von dem Foto mit ihren blutigen Füßen, das vergangene Woche die Republik schockierte.

Die Staatsspitze und der ganze Staatsball hatten ihr an der Oper zugejubelt. Während Sophie tanzte, erklärten die ORF-Kommentatoren, die Ballettakademie, der die Elevin damals noch angehörte, verkörpere nicht nur „eine jahrhundertealte theresianische Tradition“, nein, Sophie sei eine von mehreren „sehr selbstbewussten Damen“, eine Vertreterin einer „neuen Generation, die sich nichts bieten lässt“.

Aus dem Krankenakt der Tänzerin Sophie H.: Bandscheibenvorfall L5/S1, abgenützte Hüftpfanne, Beinhautentzündungen, Knochenmarksödem, Absplitterungen an der Ferse. Und, wie alle Balletttänzerinnen, schmerzhafte und verwachsene Hühneraugen an den aufgerissenen Zehen. Am Abend des Opernballs hatte Sophie H. zudem 40 Grad Fieber, „vermutlich die Aufregung, der Stress, die Angst“.

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