Am Apparat Telefonkolumne

Wie viel kostet ein Markenauftritt für eine Stadt, Herr Leendertse?


Anruf: Anna Goldenberg

Politik, FALTER 16/19 vom 17.04.2019

Die Stadt Wien bekommt ein neues Logo. Vergangene Woche wurde es präsentiert, samt neuer Typografie, Audio und Markenstrategie. Kritisiert wurden die Kosten von 595.000 Euro. Trotzdem: eine dringend nötige Neuerung, findet auch Pieter Leendertse, Geschäftsführer von Kesselskramer, jener niederländischen Designagentur, die Amsterdam das beliebte Logo "I amsterdam" verpasste.

Herr Leendertse, sind knapp 600.000 Euro ein angemessener Preis?

Es ist um einiges mehr, als wir bekamen, um das Logo für Amsterdam zu entwerfen. Aber lassen Sie mich etwas Nuance in die Debatte bringen: So etwas ist eine große Sache. In der Regel gibt es davor eine öffentliche Ausschreibung. Möglicherweise ist in dem Preis auch die Beratung bei der Auswahl der Agenturen inkludiert. Wenn das tatsächlich nur die Bezahlung für die Designagentur umfasst, ist es jedenfalls ein sehr gut bezahltes Projekt.

In Wien haben drei Agenturen ein Jahr lang daran gearbeitet.

Wir haben auch ungefähr ein Jahr gebraucht. Der Entscheidungsprozess ist viel zeitaufwendiger als das Designen selbst. Man muss die Ideen allen, die etwas dazu zu sagen haben, präsentieren. Es kommt darauf an, wer in der Stadtverwaltung dann die Entscheidungen trifft. Das kann dauern. Aber vielleicht ist ja Wien besser organisiert als Amsterdam.

Wie gefällt Ihnen eigentlich das Wiener Logo?

Ich finde es recht gelungen, das Wappen, die Schrift. Nur das Motto der Stadt wird daraus nicht klar erkennbar. Es ist "Der Mensch in der Mitte", oder?

Genau. Warum brauchen Städte überhaupt einen Markenauftritt?

Eine eindeutige Identität ist gut für die Stadt. Dass sich in Amsterdam eine Private-public-Partnership gefunden hat, um in den Markenauftritt zu investieren, hat sich gelohnt. In Wien wird das genauso sein. Vielleicht war "I amsterdam" sogar zu erfolgreich. Die Zunahme an Tourismus in den letzten Jahren war durchaus herausfordernd.

Fanden Sie diesen Artikel interessant? Dann abonnieren Sie jetzt und bleiben Sie mit unserem Newsletter immer informiert.

FALTER 21/19
Bitte liken Sie den FALTER auf Facebook:
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Anzeige

Anzeige